Firstlife

Glaube, Widerstand und Treue: Walter Klingenbeck

Geschrieben am 24.11.2018
von Matthias Chrobok

Vor wenigen Wochen jährte sich das Gedenken an die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In dieser dunklen Zeit des Nationalsozialismus leuchtete inmitten der Schrecken der Glaube auf. Neben bekannten Heiligen wie Maximilian Kolbe und Edith Stein starben viele junge Menschen für ihren christlichen Glauben. Jede Woche stellen wir euch einen jungen Menschen in einem kurzen Porträt vor.



© Pixabay

Walter Klingenbeck: Mit 19 Jahren wegen Hochverrats hingerichtet

Einer davon war Walter Klingenbeck. 1924 geboren, haben seine Eltern ihn am 12. April in St. Ludwig in München katholisch taufen lassen. Die Familie wohnte in der Amalienstraße 44 in der Maxvorstadt. Walter besuchte in der Amalienschule den Religionsunterricht von Kaplan Georg Handwerker. Dieser bezog Position gegen das NS-Regime und leitete die katholische Jugendarbeit in St. Ludwig.

Walter beginnt seine Ausbildung und den inneren Widerstand

Früh machte der junge Walter negative Erfahrungen mit den Nationalsozialisten: 1936 lösten sie die Jugendgruppe St. Ludwig auf und verleibten die Jugendlichen der Hitlerjugend ein. Dieses einschneidende Erlebnis weckte seine Auseinandersetzung mit der Ideologie. Als katholischer Christ sah er Widersprüche zwischen der kirchlichen Lehre und der Politik des NS-Regimes.

1938 begann Walter seine kaufmännische Lehre und ließ sich parallel bei der Firma Rohde und Schwarz zum Schaltmechaniker ausbilden. 1941 verband er sein Interesse an Funk- und Radiotechnik mit seinem Beruf als Schaltmechaniker. Das Radio war für ihn nicht nur eine Informationsquelle, sondern auch eine Leidenschaft.

Klingenbeck leistet Widerstand und wird verraten

Diese Leidenschaft verband ihn mit Daniel von Recklinghausen, Hans Haberl und Erwin Eidel. Daneben teilten sie den gemeinsamen Glauben und die regimekritische Haltung. Gemeinsam arbeiteten sie trotz Verbot an mehreren Radiosendern. Mit diesen verbreiteten sie Sendungen von BBC, Radio Vatikan und anderen „Feindsendern“. Doch Radio allein reichte nicht: Sie verteilten Flugblätter mit Bildern und Kurztexten und bemalten öffentliche Gebäude mit dem „Victory“-Zeichen.

1942 verrät ihn ein Bekannter und die Gestapo nimmt Klingenbeck und seine Freunde fest. Mit 18 Jahren werden er und seine Freunde am 24. September 1942 nach eintägigem Prozess zum Tod verurteilt.

Glaube, Widerstand und Treue als Anklagepunkte

Zur Last gelegt wurden den Jugendlichen das Abhören feindlicher Sender, die „Victory“-Aktion, die Verbreitung von Flugblättern und dem Bau eines Radiosenders. Der Richter begründete sein Urteil unter anderem mit der religiösen Überzeugung, der Treue zur Kirche und dem festen Bekenntnis zum Glauben.

Anders als bei Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl wird Klingenbecks Gnadengesuch abgelehnt. Am 5. August 1943 wurde Walther Klingenbeck in München-Stadelheim durch die Guillotine hingerichtet. Einen Tag später wurde er auf dem Perlacher Forst beigesetzt und 6 Jahre später auf den Münchner Westfriedhof überführt.

Erinnerung an Klingenbeck setzt 1990 ein

Klingenbeck war im Gegensatz zur „Weißen Rose“ oder den Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 unbekannt. Erst 1990 beginnt die Aufarbeitung. In der Folge wurde 1998 wurde ein Weg an der Kirche St. Ludwig in München seinen Namen. 1999 wurde Walther Klingenbeck als Glaubenszeuge in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Das Erzbistum München und Freising leitete eine Voruntersuchung zur Seligsprechung Klingenbecks ein.

2018 wurde ein Stolperstein am Wohnhaus der Klingenbecks in der Amalienstraße 44 angebracht.