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Dreikönig: Heiden an der Krippe Jesu

Geschrieben am 04.01.2019
von Benedikt Bögle

„Erscheinung des Herrn“ – so heißt das Dreikönigsfest offiziell. Die Kirche feiert Sterndeuter, die aus dem Osten zu Jesus kommen. Was das heute bedeuten kann, schreibt unser Autor Benedikt Bögle.



© Pixabay

Drei Könige kommen aus dem Morgenland nach Bethlehem, um dem „neugeborenen König der Juden“ zu huldigen. Der Evangelist Matthäus, der diese Begegnung berichtet, bleibt seltsam unkonkret. Wie viele Männer das waren, wissen wir nicht, auch nicht, woher genau sie kommen – aus dem Osten, schreibt er nur. Sie sind „magoi“, das kann man mit Sterndeuter übersetzen. Alle weiteren Details bleiben ungewiss.

Unterschiedliche Menschen begegnen Jesus

Ganz unterschiedliche Menschen begegnen dem neugeborenen Jesus, die Evangelisten Lukas und Matthäus berichten davon. Zunächst sind das die Hirten in Bethlehem. Sie sind einfache Menschen, vermutlich sehr arm. Sie leben am Rand der Gesellschaft, haben einen anstrengenden Beruf, gehören wirklich nicht zur gehobenen Gesellschaft. Sie sind es, denen ein Engel die Geburt Jesu verkündet. Sie kommen zur Krippe und sind damit die ersten Besucher des Jesuskindes. Die theologische Aussage dahinter: Die Armen sind die erste und große Liebe Gottes. Ihnen wendet sich Gott ganz besonders zu.

Gesellschaftliche Randfiguren spielen große Rolle

Dann kommen – ebenfalls im Lukasevangelium – zwei alte Menschen im Tempel von Jerusalem dazu, die dort leben und auf den Messias warten. Sie erleben in ihrem hohen Alter, wie Jesus von seinen Eltern am achten Tag nach der Geburt in den Tempel gebracht wird. Vielleicht könnte man sie als „religiöse Profis“ bezeichnen, als Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, auf den Ruf Gottes im Gebet zu hören. Auch sie werden Zeugen des großen Wunders der Geburt Jesu, auch sie dürften eher unscheinbare Personen gewesen sein, die kein großes Aufsehen erregen.

Wer sind die Sterndeuter?

Ganz anders die Sterndeuter aus dem Osten, von denen Matthäus erzählt. Sie werden direkt zum König Herodes gebracht, das ganze Volk erschrickt über die Frage, die sie stellen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Das ist eine ganz andere Art der Begegnung. Lukas berichtet von gläubigen Juden, die von der Geburt Jesu erfahren und in ihm den Messias kommen sehen. Matthäus wählt ganz bewusst Heiden aus. In der Kirchengeschichte hat die Tradition aus unbestimmt vielen Sterndeutern drei Könige gemacht. In der Bibel steht davon nichts. Aber diese Männer – vielleicht waren ja auch Frauen dabei, wer weiß – kommen, obwohl sie eigentlich nicht an den Gott Israels glauben.

Jesus ist für alle da

Sie haben den Stern Jesu aufgehen sehen und wohl irgendwie gemerkt, dass hier etwas Besonderes im Gange ist. Sie kommen, obwohl sie nicht zum Volk Israel gehören. Und damit symbolisieren sie, dass Jesus der Messias für alle Menschen ist. Die Botschaft, die er verkündet, sprengt alle Grenzen: geographische Grenzen, Grenzen eins bestimmten Volks, Grenzen zwischen verschiedenen Schichten. Jesus wird auch später immer ein Grenzgänger sein. Einer, der gesellschaftliche Konventionen bricht, wo es nötig ist. Einer, der gekommen ist, um das Heil zu verkünden – allen Menschen, ohne Ausnahme.