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Gelebte Inklusion: Sommerlager für Menschen mit Behinderung

Geschrieben am 16.02.2019
von Benedikt Bögle

Das größte Jugendlager für Menschen mit Behinderung kommt nach Deutschland: 500 Menschen aus aller Welt verbringen eine Woche Urlaub in Bayern. Benedikt Bögle berichtet über ein außergewöhnliches Projekt.



© Malteser-Orden

Fünfhundert Teilnehmer aus über zwanzig Ländern und 40.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit: So wird das „Internationale Malteser Sommerlager“ (IMS) aussehen. Dieses Sommerlager sei „das größte internationale Jugendlager für Menschen mit Behinderung weltweit“, sagt die Organisatorin Amelie von Aulock. Eine Woche lang können Menschen mit Behinderung einfach mal Urlaub machen und Dinge erleben, die sie normalerweise nicht machen können. Jeder Gast bekommt einen Begleiter, der ihn jeden Tag der Woche begleitet und ihm „alle Wünsche von den Augen abliest“, meint von Aulock.

Deutschland als Gastgeber

Das Treffen findet jährlich im Sommer statt, Gastgeber ist immer ein anderes Land. In diesem Jahr wird das Sommerlager Anfang an August in Deutschland stattfinden, im oberbayerischen Klosterdorf Ettal. Tagsüber werden viele Ausflüge in das umliegende Ammertal und in ganz Oberbayern angeboten: Reiten und Gleitschirmfliegen, Fahrten in die Landeshauptstadt München oder Sommerrodeln. Abends wird in einer eigens eingerichteten Disco dann miteinander gefeiert: Lebensfreude und Gemeinschaft stehen an oberster Stelle.

Organisatorin Amelie von Aulock © privat

Organisator ist der Malteserorden

Organisator des Treffens ist die „Gemeinschaft junger Malteser“, die Jugend des katholischen Malteserordens. Dieser Orden wurde vor 900 Jahren gegründet, der Ursprung der Gemeinschaft liegt in Jerusalem: Dort gründeten die Ritter von Malta im zwölften Jahrhundert ein Krankenhaus. Die Gemeinschaft der Ritter wurde als Laienorden anerkannt, heute zählt er etwa 13 500 Mitglieder weltweit. Die Mission der Malteser: Sorge um Kranke, um Menschen mit Behinderung und Flüchtlingshilfe. So gehört etwa der „Malteser Hilfsdienst“ zum Orden, der in ganz Deutschland Aufgaben im Katastrophenschutz und Sanitätsdienst übernimmt.

Besonders im Mittelpunkt steht für die jungen Malteser die Arbeit für Menschen mit Behinderung. „Wir wollen die Blickrichtung des öffentlichen Diskurses ändern und zeigen, wie viele Dinge mit Menschen mit Behinderung möglich sind – und das vermeintlich Unmögliche möglich machen“, sagt Organisatorin Aulock. Das Sommerlager ist dabei nicht das einzige Projekt: In Deutschland, im Libanon und in Rumänien engagieren sich junge Menschen und versuchen, den Menschen mit Behinderung ein Leben in Würde zu ermöglichen.

© Malteser-Orden

Die schönsten Klischees Deutschlands

So auch beim Sommercamp in Deutschland: Ehrenamtliche aus aller Welt kommen eine Woche lang nach Ettal, um den reibungslosen Ablauf des Sommerlagers zu gewährleisten. Sie helfen in der Küche und bei organisatorischen Aufgaben, kümmern sich um Transport und Logistik, planen die verschiedenen Aktivitäten der Woche. Das Klosterdorf Ettal ist dafür der ideale Ort. Seit 1330 leben dort Benediktiner, denen sich der Malteserorden besonders verbunden fühlt. „Ettal vereint schon auf eine äußert schöne und kitschige Weise die Klischees von Deutschland: ein Dorf mit Holzhäusern, die Berge, die Brauerei, das barocke Kloster – außerdem gibt die als Urlaubsregion bekannte Gegend unglaublich viele Ausflugsziele her“, so Aulock.

Finanzierung durch Spenden

Die Woche kostet: Das Ettaler Kloster braucht etwa Rampen für Rollstuhlfahrer, die Verpflegung der 500 Teilnehmer muss gestemmt werden und auch die Ausflüge müssen bezahlt werden. Finanziert wird diese Woche durch die Ehrenamtlichen selbst. Wer hilft, leistet auch einen finanziellen Beitrag. Dadurch können aber nicht alle Kosten gedeckt werden, die Malteser sind auf Spenden angewiesen, die das Sommerlager finanzieren können.

Mehr Informationen gibt’s unter www.maltacamp2019.de.