Frauenpriestertum – Weihe für alle!?

Frauenpriestertum – Weihe für alle!?

Geschrieben am 18.02.2019
von Ramon Rodriguez

Die Forderung nach dem Frauenpriestertum wird innerhalb wie außerhalb der katholischen Kirche immer wieder laut. Gerade im 21. Jahrhundert sollten Frauen am Altar auch gar keine Frage mehr sein. Oder spricht etwa doch etwas dagegen?



© Pixabay

In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, fordern neun Theologen unter anderem, das Weiheamt auch für Frauen zu öffnen. Die Medien greifen diesen Brief auf, als wäre dieser offene Brief etwas, was eine komplett neue Forderung enthielte oder als ob es sich um eine Massenbewegung handle. Keines von beiden trifft zu. Doch warum wird so heftig über das Frauenpriestertum gestritten und welche Argumente sprechen dafür bzw. dagegen?

1. Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer

Gerade im 21. Jahrhundert ist die Ansicht, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, indiskutabel. Keiner in unserer zivilisierten westlichen Welt bestreitet das und auch ein Christ kann dies nicht bestreiten, da es zu unserer tiefen Überzeugung gehört, dass alle Menschen durch Gott die gleiche Würde haben, egal welches Geschlecht, Hautfarbe, Alter oder Gesundheitszustand. Zurecht nennen sich Christen deshalb auch Lebensschützer und treten überall dort engagiert auf, wo die Würde des Menschen und sein Recht auf Leben in Gefahr ist. Aus dieser Erkenntnis der gleichen Würde heraus argumentieren die Befürworter des Frauenpriestertums, dass es auch für die Frau ein Recht auf die Weihe geben muss.

Dies ist jedoch ein Trugschluss, denn nicht nur die Frau hat kein Recht darauf, Priester zu werden, auch ein Mann hat es nicht. Es gibt für niemanden ein Recht auf das Priesteramt. Die Berufung hierzu ist immer eine Gnade, eine Bestimmung und ein Geschenk durch Gott. Es geht hier also nicht um die Frage nach einem Recht, auch nicht nach der Frage um die Würde der Person, es geht einzig um die Berufung. Von Diskriminierung kann also schon deshalb nicht gesprochen werden, weil niemandem ein Recht vorenthalten wird.

2. Jesus ist nicht Mann geworden, er ist Mensch geworden

Um für das Frauenpriestertum argumentieren zu können, weisen die Befürworter darauf hin, dass die Betonung des Geschlechts Jesu überhöht sei. Jesus sei schließlich nicht ein Mann geworden sondern ein Mensch. Alle Menschen sollten also deshalb als Priester Christus repräsentieren können. Zudem können Frauen ja genau dasselbe wie Männer und sind in allem gleich gut. Es ergebe also keinen Sinn, hier zu unterscheiden.

Man bedenke hierbei aber, dass das eigene Geschlecht durchaus eine wichtige Bedeutung und nicht einfach zufällig und irrelevant ist. Unser ganzer Körper prägt unser Wesen, somit auch das Geschlecht. Die Kirche nennen wir Katholiken z.B. bewusst und mit tiefer Überzeugung die „Braut Christi“ und Christus ist ihr Bräutigam. Dass Jesus ein Mann ist, ist nicht rein zufällig und hier geht es nicht um „Können“, welches man durch Leistungserhebungen oder Statistiken messen kann. Es geht um das Wesen des Menschen und der Kirche, auf die Bezogenheit aufeinander. Daraus folgt, dass ein Priester, der Christus repräsentiert, ebenfalls nur ein Mann sein kann. Im Johannesprolog heißt es „und das Wort ist Fleisch geworden“ und nicht „und das Wort ist Mensch geworden“. Das „Fleisch“ Jesu, sein Leib, spielt eine fundamentale Rolle.

3. Nur weil es schon immer so gemacht wurde, ist es noch lange nicht richtig

Die Forderung nach einem Frauenpriestertum ist uralt und die Tatsache, dass die Kirche noch nie Frauen zu Priestern geweiht hat, sei kein Argument, es auch in Zukunft nicht zu tun. Ebenso wenig wie es die Tatsache ist, dass Jesus 12 Männer berufen hat. So jedenfalls argumentieren die Befürworter der Weiheöffnung.

Dieses Argument der Befürworter kann direkt zurückgewiesen werden. Selbstverständlich spielt das, was die heilige Schrift überliefert, eine Rolle. Ebenso tut es nach katholischem Verständnis die heilige Tradition, also die Glaubenspraxis der gesamten Kirche durch die Zeit hindurch. Denn dies sind die zwei Quellen unserer Offenbarung: die Schrift und die Tradition. Hierdurch unterscheiden wir Katholiken uns als Offenbarungsreligion deutlich von anderen Religionen oder philosophischen Weltanschauungen. Die Kirche hat weder das Recht noch die Möglichkeit, sich über den Auftrag Christi, welchen er ihr durch Schrift und Tradition mitteilt, hinwegzusetzen. Für die Kirche gilt es, nicht in eigenwilligen Übereifer zu verfallen, sondern gläubig anzunehmen und getreu zu erfüllen, was ihr anvertraut wurde.

4. Die Frage ist noch immer nicht geklärt

Die Befürworter der Öffnung weisen darauf hin, dass schon alleine die Diskussion wichtig sei und den Weg der Zukunft zeige: Nämlich dass das Ergebnis eines demokratischen Diskurses entscheide, wie die Kirche künftig handeln werde. Hier habe die Kirche deshalb natürlich die Möglichkeit, künftig Frauen zu Priestern zu weihen. Es müsse sich nur eine Mehrheit für diese Meinung finden.

Dem muss aber gegenübergestellt werden, dass wenn die Kirche anerkennt, dass eine Lehre von allen immer geglaubt wurde und diese zeitlos gültig ist, dass die Kirche die Überzeugung vertritt, verbindlich letztgültig Entscheidungen treffen zu können. Solch eine letztgültige Entscheidung traf Papst Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ (OS) „Damit also jeder Zweifel (…) beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ (OS, Nr. 4). Christus hat diejenigen berufen, die er wollte, 12 Männer, und die Kirche kann dies nicht ändern.

Auch Papst Franziskus bekräftigte, dass diese Frage geklärt und das Ergebnis nicht mehr geändert werden könne: „Zum Thema Frauenordination sei das letzte Wort von seinem Vorgänger Johannes Paul II. klar gesprochen worden“, sagte Franziskus am Dienstag auf dem Rückflug von seiner zweitägigen Schweden-Reise. „Und dabei bleibt es.“

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kirche seit jeher die enorme Wichtigkeit der Frau betont hat. Einigkeit besteht sicher auch darin, dass weiterhin überlegt werden muss, wie sich Frauen und Männer als Weltchristen in und für die Kirche bestmöglich mit ihren jeweiligen Talenten und Fähigkeiten einbringen können. Diese Frage wird die Kirche fortlaufend beschäftigen. Über manche Dinge kann die Kirche aber nicht beliebig entscheiden, das Frauenpriestertum gehört hier dazu.