Hochzeitsplanung: Verlobungszeit ist Prüfungszeit

Hochzeitsplanung: Verlobungszeit ist Prüfungszeit

Geschrieben am 05.09.2019
von Michaela Urschitz

Bin ich mir wirklich sicher, diese Entscheidung zu treffen? Wer sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt hat, ist sich wohl bewusst, dass eine Hochzeit mehr ist als ein nettes Event. Die Ehe ist etwas Wunderschönes. Wer verheiratet ist, hat seinen größten Fan und gleichzeitig größten Kritiker immer bei sich und das bietet großes Potenzial, um über sich selbst hinauszuwachsen.



Leider hat die Ehe in unserer heutigen Gesellschaft durch eine hohe Scheidungsrate scheinbar an Wert verloren. Viele heiraten mit der Option, sich „einfach“ wieder zu trennen, „wenn es nicht mehr passt“ und freuen sich auf das romantische Fest. Ehe lebt von der Treue zueinander – es ist ein Verspechen, sich lebenslang an eine Person zu binden und mit ihr durchs Leben zu gehen. Darin liegt eine große Kraft und Freude, doch es braucht auch die nötige persönliche Reife und Verantwortungsbewusstsein. Letztendlich ist auch die perfekteste Hollywood-Hochzeit eine Katastrophe, wenn es eigentlich nur um das Event geht statt um den Bund fürs Leben.

All diese wichtigen Fragen zu bedenken, braucht natürlich seine Zeit, die ihr euch unbedingt nehmen solltet. Seid ihr bereit für die schönste und schwierigste Herausforderung eures Lebens?

Bereit für die schönste und schwierigste Herausforderung?

Googelt man schon allein den Begriff „Hochzeitstipps“, so stößt man auf zahlreiche Websites, die vor allem mit der Organisation rund um das große Fest zu tun haben: Weddingplanner, Fotografen, die 20 schönsten Dekorationen, die 50 besten Snacks und so weiter. Da ich selbst jung (und) verheiratet bin, weiß ich natürlich genau, dass man besonders als Braut unlängst nach dem Antrag anfängt, alle möglichen Details für die eigene Hochzeit zu planen. Für mich die größte Versuchung dabei: Pinterest! Sooo viele tolle Ideen, die manchmal jedoch umso mehr Sehnsüchte wecken, all das in einen einzigen Tag zu packen, ungeachtet der eigenen finanziellen Mittel und des Geschmacks des Bräutigams.

Da es in dieser Hinsicht also nicht an guten Vorschlägen mangelt, hier ein paar Fragen, die euch in der Vorbereitungszeit hilfreich sein können, um euch selbst und eure Beziehung zu prüfen – Verlobungszeit ist schließlich auch „Prüfungszeit“.

Bin ich selbst bereit, den anderen zu lieben – in guten wie in schlechten Zeiten?

Diese romantische Floskel in den meisten Trauungen ist wohl jedem bekannt – doch haben wir jemals darüber nachgedacht, was sie eigentlich bedeutet? Sich in guten Zeiten zu lieben ist ja ein Privileg, etwas, das wir sowieso tun. Doch in schlechten Zeiten beieinander zu bleiben, braucht mehr als das – es geht um echte Entschiedenheit und eine dienende Einstellung. Bin ich bereit, meinen Partner zu lieben und ihn zu ehren, auch wenn er vielleicht einmal durch eine Krankheit oder einen Unfall nicht mehr dieselbe Kraft und Ausstrahlung haben wird? Wenn ich das Gefühl habe, ich trage die größere Last in der Beziehung und bin am Verzweifeln? Wenn es finanziell schwierig wird oder wir Unsicherheit und chaotische Zeiten erleben – halte ich dann fest an unserer Beziehung?

In schwierigen Zeiten ist ein „es hat einfach nicht mehr gepasst“ oft eine größere Flucht davor, an den eigentlichen Problemen zu arbeiten, als dass ein Zusammenbleiben unmöglich geworden wäre. Mein Mann und ich lesen wöchentlich einen Impuls aus einem Buch, das uns immer wieder herausfordert, zuerst an uns selbst zu arbeiten, anstatt vom anderen unser ganzes Glück zu erwarten. „Heilig währt am längsten“ von Gary L. Thomas ist ein Plädoyer für die Übernahme von Eigenverantwortung, besonders, wenn es in der Ehe mal kriselt. Er verschweigt nicht, dass es schlechte Zeiten gibt, sondern er gibt hilfreiche Tipps, wie man sie überwinden kann durch die Bereitschaft, den anderen unabhängig davon zu lieben, was ich mir von ihm wünsche.

Haben wir über unsere Vorstellungen über das gemeinsame Leben gesprochen?

Wie wollen wir mit Geld umgehen? Ein Konto oder zwei? Was ist uns wichtig? Inwiefern wollen wir den Kontakt zu unseren Familien pflegen? Wie wurden wir jeweils durch unsere Familien geprägt? Welchen Stellenwert hat bei uns die Arbeit? Was bedeutet uns Glaube? Wollen wir Kinder und was ist uns dabei wichtig? In welche Richtung wollen wir als Paar, als Familie gehen? Haben wir ein gemeinsames Lebensziel, eine Vision?

Wenn ihr diese Fragen für euch selbst und mit eurem Partner beantwortet habt, liegt sicher die eine oder andere heiße Diskussion hinter euch, doch lernt ihr euch in dem Prozess auch noch besser kennen und vielleicht sogar noch mehr lieben als zuvor. Wir haben uns in dieser Zeit ein Buch über die Ehe geholt, das wir Kapitel für Kapitel gemeinsam durchgearbeitet und besprochen haben. „Ehevorbereitung“ in diesem Sinne ist etwas sehr Wertvolles, das euch später den Start ins gemeinsame Leben erleichtern wird. Wo noch Fragen offen sind, gilt es, sich zu überlegen, wie ihr Antworten finden bzw. euch einigen könnt. So wird deutlich: Zur Hochzeitsvorbereitung gehört mehr als den schönsten Blumenschmuck, die passendste Tischordnung und den besten Weinjahrgang für die Feier auszuwählen. Sie ist viel mehr als bloße Orga.