Jahreswechsel: Alle Jahre wieder … kommt der Januar

Jahreswechsel: Alle Jahre wieder … kommt der Januar

Geschrieben am 11.01.2020
von Sarah Veihelmann

Es ist ausgeweihnachtet, die Zahl 20 hat die 19 in den Ruhestand geschickt und ich stelle fest, dass meine schöne, leuchtend rote Adventskerze nur wenig gebrannt hat. Wo ist diese besinnliche, winterlich-kalte Weihnachtsstimmung hin?



© f1rstlife / Sarah Veihelmann

Im Chillmodus – was denn sonst?

Vor Weihnachten werden die Schultage entspannter angegangen (zu meiner Schulzeit die Standardfrage: Welchen Film könnten wir noch schauen?), der örtliche Weihnachtsmarkt präsentiert sich mit lichterverzierten Ständen, der dampfende Weihnachtspunsch steigt in die Nase, kribbelnde Vorfreude und plötzlich zack Boom, aus und weg, ist Weihnachten vorbei. Festhalten bringt nichts.

Hallo, Januar! Ein neues Blatt. Nicht wirklich weiß, Schnee liegt nicht. Bei mir zumindest nicht. Ich empfinde es wie das Wegziehen einer kuscheligen, warmen Decke. Der raue Alltag weht mir nun wieder um die Nase. Und ich singe Tag täglich mein einstudiertes Lied: „Ich hab‘ zwar keinen Held des Alltags, aber der Alltag ist mein Held und so zieh ich täglich aufs Feld, Campus nennt man das und es bedeutet mir wirklich was.“ Ja, ich gehe gerne zur Uni. Aber noch lieber bin ich zu Hause mit der Familie. Nichts tun und sich gut dabei fühlen, weil keiner etwas arbeitet. Bestimmt gibt es aber auch Etliche, denen Weihnachten nicht schnell genug vorbei geht.

„Was hast du erwartet?“

Weihnachten, das Fest, an dem sich Traurige noch trauriger fühlen, Einsame noch einsamer und Fröhliche noch fröhlicher. Warum? In meiner Grübelecke überlege ich, ob Weihnachten wie ein Ankerpunkt eines Jahres ist. Ebenso wie Geburtstag oder Hochzeitstag oder so. Wer denkt nicht: „Weißt du noch, vor 5 Jahren an Weihnachten ist Onkel Bert gestorben.“ oder „Jetzt ist es schon wieder 2 Jahre her, dass Lina krank ist.“

Diese Tage, die Markierungen unseres Lebens darstellen, die damit verknüpfte Erinnerungen wachrütteln, die emotionsgeladen sind, beinhalten mit Sicherheit die Tage, an denen wir Weihnachten feiern. Das so deklarierte Fest der Liebe, an dem ein Einsamer noch mehr hofft, Besuch zu bekommen. An dem sich ein ungeliebt Fühlender nach Liebe ausstreckt und sie auch an Weihnachten nicht fühlt. Was haben wir von Weihnachten eigentlich erwartet? Hauptsache, nicht arbeiten? Hauptsache, den Bauch vollschlagen? Hauptsache, leckere Plätzchen?

„Schatz, du hast das Geschenk eingepackt?“, „Ich?“

Und dann kommt Oma Lieselotte um die Ecke, stinksauer, weil Enkelin Tina ihre pappsüßen, kunstvoll mit Marzipan überzogenen Pralinen nicht essen will. Christoph regt sich auf, warum seine Frau Anne auf den absurden Gedanken kommt, ihm einen Angorarollkragenpullover in Lila zu schenken um ihn ständig an seinen Körper zu halten und allen zu verkündigen, wie „herausragend“ der Pulli ihm steht. „Das hat sie bestimmt mit Absicht gemacht!“

Alles heiße Luft? Nur Vorfreude?

Das lässt mich an eine Freude visualisierende Logarithmuskurve denken, die ihre höchste Steigung anfänglich besitzt (was man als Vorfreude betiteln könnte), später aber nicht mehr großartig steigt. Uff, die Luft ist draußen. „Petra Schatz, packen wir’s, wir sind doch jetzt lange genug bei deinen Eltern gewesen…“ „Was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht?“, schießt es Petra in den Kopf und verbarrikadiert Weihnachten in die letzte Schublade mit der Aufschrift: „Nächstes Jahr nicht öffnen.“

So kommt man nach Weihnachten wieder in seiner kalten Studentenbude an, kocht sich einen wärmenden Tee und verwünscht sich an den nächsten Urlaubsort, vielleicht Hawaii. Dann zieht WG-Kollege Hans vorbei mit einem dicken Wälzer über den Prüfungsstoff und der Urlaubsflieger kann nicht schnell genug starten. Bin dann mal weg!

Moment mal!

Nein, nein. So schnell geht das nicht. Jetzt ist nämlich der Januar da. Und der nächste Urlaub? Nicht in Aussicht. Vielleicht gibt es auch so etwas wie Anlaufschwierigkeiten beim Starten eines neuen Jahres. Vielleicht sollte das Jahr 2020 erst zur Inspektion gebracht werden. Ein umfassendes Check-up? Ach, vielleicht geht es auch so, wird schon noch ein Jahr durchhalten, oder?

Ausblick oder das große Fragezeichen

Was werde ich dieses Jahr erleben? Welche neuen Erinnerungen werden sich zu den Lebens-Ankerpunkten gesellen?

Und mein Flug nach Hawaii? Soeben abgeflogen. So verabschiede ich mich von ruhigen Weihnachtstagen, staune über die mächtig gefüllten Kaufhäuser mit Umtauschen (Achtung Wimmelbild: Wo befindet sich Christoph?) und versuche mich zu akklimatisieren ans neue Jahr.

In diesem Sinne wünsche ich von Herzen wunderbare Momente, ruhig und friedvolle Stunden und weiterbringende Erkenntnisse und Erfahrungen im Jahr 2020.