Agatha von Catania: Eine heilige Stellvertreterin

Agatha von Catania: Eine heilige Stellvertreterin

Geschrieben am 05.02.2020
von Benedikt Bögle

Die Legende der heiligen Agatha ist grausam: Sie wurde gefoltert, bis sie starb. Dabei gibt es kaum historische Erkenntnisse über die Frau. Ihr Leben steht für viele unbekannte Christen. Ein Heiligenportrait von Benedikt Bögle.



Foto gemeinfrei

Agatha soll im dritten Jahrhundert in der Stadt Catania auf der Insel Sizilien gelebt haben. Aus einer adligen Familie stammend, war sie eine wunderschöne junge Frau. Der Statthalter Siziliens wollte sie heiraten; Agatha lehnte die Vermählung unter Hinweis auf ihren christlichen Glauben ab. Der verschmähte Statthalter rächte sich auf grausame Weise: Als Christin ließ er Agatha in ein Bordell bringen, damit sie sich prostituiere und ihre Jungfräulichkeit verliere.

Agatha wehrte sich standhaft. Der Statthalter reagierte mit Folter und ließ Agathas Brüste abschneiden und die junge Frau in den Kerker werfen. Dort erlag sie schließlich ihren schweren Verletzungen und starb. Diese Legende kann heute historisch nicht mehr gesichert werden – vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig: Agatha steht mir ihrem grausamen Leiden für eine ganze Vielzahl verfolgter Christen, die in der Antike ihr Leben lassen mussten.

Christenverfolgungen im Römischen Reich

Immer wieder wurden Christen verfolgt, manchmal nur in einzelnen Regionen, manchmal an vielen Orten des römischen Reiches. Ihr Glaube war den Machthabern ein Ärgernis: Für das antike Verständnis war die rechte Verehrung der Götter nicht nur eine Privatsache. Der Zorn der Götter konnte über das ganze Volk kommen. Den Göttern zu opfern, war damit auch eine Pflicht der Bürger. Die Christen aber widersetzten sich den Opfern und sollten nun zum heidnischen Gottesdienst gezwungen werden.

Viele Opfer unbekannt

Viele Christen konnten die Behörden bestechen: Ihnen wurde schriftlich bescheinigt, ein Opfer dargebracht zu haben, auch wenn sie das gar nicht getan hatten. Andere opferten den heidnischen Göttern, ohne an sie zu glauben, um überleben zu können. Zahlreiche Christinnen und Christen aber weigerten sich gegen beide Möglichkeiten. Sie weigerten sich, Göttern ein Opfer darzubringen, an die sie gar nicht mehr glaubten. Sie mussten leiden und wurden auf grausamste Weisen hingerichtet. Die Namen vieler dieser Christen sind uns heute nicht mehr bekannt.

Agatha: Erinnerung an Opfer der Christenverfolgung

Die Legende der heiligen Agatha erinnert auf ihre Weise an all die Christen, deren Namen wir heute nicht mehr kennen. Ihre Geschichte dürfte typisch gewesen sein: Aus einer privaten Fehde resultiert ihre Christenverfolgung, viele andere Christen wurden von ihren Nachbarn oder Bekannten angezeigt und so den Behörden als Christen gemeldet. Widersetzten sie sich nicht der Opferzeremonie, mochten ähnlich grausame Foltern wie auf Agatha warten. Die Christenverfolgung ist aber nicht nur Geschichte: Auch heute noch leiden Christen in vielen Gegenden der Welt und werden für ihren Glauben verfolgt. Auch an sie kann die heilige Agatha von Catania erinnern.