„Es heißt Ausstrahlung, weil es von innen kommt“: Interview mit Jana Highholder

„Es heißt Ausstrahlung, weil es von innen kommt“: Interview mit Jana Highholder

Geschrieben am 28.01.2020
von Redaktion

Sie ist Jana, nennt sich „Gottes Influencerin“. Als Poetry Slammerin, Autorin und in den sozialen Medien ist Jana Highholder mit vielen zehntausend Followern die wohl bekannteste christliche Influencerin im deutschsprachigen Raum. Wir haben mit ihr direkt nach ihren Prüfungen über Begeisterung, Echtheit und Follower gesprochen.



Jana, Du hast die Prüfung bestanden: Herzlichen Glückwunsch! Aber mal ehrlich: Wieso will man mit 18.000 Followern (allein auf Instagram) überhaupt noch Ärztin werden?

Erst einmal möchte ich das Studium beenden. Bildung ist aus meiner Sicht eine riesige Chance, ein Privileg. Ich bin zunächst einmal einfach dankbar, das Fach zu studieren. Es begeistert mich und ich bin außerdem ein Mensch, der zu Ende bringt, was er anfängt.

Ganz unabhängig davon, ob ich später als Ärztin arbeiten werde, hat mich das Studium neben dem Fachlichen auch vieles weiteres beigebracht: Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen, Disziplin, der Umgang mit Misserfolgen. Das sind Lebenshaltungen, die einen gut auf das vorbereiten, was noch kommt.

Die Begeisterung in Deinen Videos kommt bei vielen Zuschauern gut an. Verrate uns: Wie kann man andere begeistern?

Man begeistert immer dann, wenn man selbst begeistert ist. Echte Begeisterung ist das, was übersprudelt, wenn es aus einem herauskommt. Es heißt Ausstrahlung, weil es von innen kommt, weil es eine Herzensüberzeugung ist, eine ehrliche Leidenschaft. Echtheit hat dabei einen ganz großen Wert, wenn man etwas weitergibt. Wenn andere Dir glauben, wofür Du stehst, dann ist Begeisterung ansteckend.

Was ist mit den vielen Kommentaren und Followern: Kann man da wirklich noch echt sein?

Klar. Ich bin von Beruf keine Influencerin, sondern ich nutze meine Kanäle, um Glauben alltäglich zu teilen. Ich bin überzeugt davon, dass ich – wenn ich an die rettende Botschaft glaube – sie nicht für mich behalten, sondern weitergeben sollte. Wie das aussieht, das ist ganz unterschiedlich.

Und das geht mit den Social-Media?

Die sozialen Medien sind das aktuelle Sprachrohr, um die Herzen von jungen Menschen zu erreichen. Ich lande mit meinen Videos in den Wohnzimmern, Jugendgruppen, Schlafzimmern und damit auch in den Herzen. Das ist aus der Ferne eine Möglichkeit, unfassbar nah heranzukommen. Diese Möglichkeit will ich nicht ungenutzt lassen. Ich bin nicht berufen, zur Instagrammerin, nicht zur Youtuberin, nicht zur Poetry Slammerin und auch nicht zur Ärztin.

Ich und Wir sind berufen, das Evangelium zu verkünden. Die Form, die Art und Weise, kann und darf und soll mit der Zeit mitgehen: Instagram wird nicht immer Trend bleiben. Aber momentan ist es das und da haben wir als Christen die Verantwortung, eben solche Plattformen zu nutzen.

Das gelingt beiden christlichen Kirchen aber kaum: Sie verlieren jedes Jahr Mitglieder. Fehlt ihnen die Leichtigkeit?

Ich würde das aus meinem Blickwinkel nicht als Leichtigkeit betiteln. Ich würde eher sagen, dass die Echtheit nicht ankommt. Dabei ist die Chance riesig: Meine Generation sehnt sich im Herzen nach Orientierung, Klarheit, nach richtig und falsch. Wenn wir aber ständig davon sprechen, dass Glaube individuell ist und jeder glauben könnte, was er möchte, dann bietet das einer Jugend, die geflutet ist von Möglichkeiten, überhaupt keinen Halt mehr.

Dabei haben wir eine Schrift, die uns klare Antworten gibt. Wir haben einen Gott, mit dem es sich reden lässt. Ich würde sagen: Wohin die Kirche zurückkommen muss, ist zum Kern der Sache, zu Christus. Wir können natürlich ganz viel machen, coolere Designs machen, bunte Videos und Hashtags, aber wenn es sich nicht um Christus dreht, dann drehen wir uns um uns selbst. Aber die Kraft kommt vom Kreuz.

Indem Du Antworten gibst, inszenierst Du Dich doch auch ein Stückweit selbst.

Mein Leben und meine Worte, alles was ich bin, zielt darauf hin, auf einen Namen zu weisen. Das wird mir nicht immer gelingen. Du kannst immer auch Gegenargumente finden oder mich kritisieren, aber ich kann Dir sagen: Mein Herz ist es, auf den zu weisen, der uns freigesprochen hat und die Menschheit rettet.

Du hast den Glauben sehr persönlich und intensiv erlebt. Mit sechs Jahren hast Du eine Krebserkrankung überwunden. Rühren daher Deine klaren Überzeugungen?

Ich bin nicht erst durch die Krankheit zum Glauben gekommen, aber doch sehr früh im Leben an einen Punkt geführt worden, an den Menschen oft sehr viel später kommen: Ich habe die Einsicht gefunden, dass das Leben nicht in meiner Hand liegt.

Dabei kannst Du es doch immer verändern und gestalten.

Ganz oft haben wir diese Illusion von Kontrolle: Wir wissen, was morgen kommt und planen die Urlaube. Die Arroganz unserer Zeit ist zu glauben, dass alles vor uns liegt. Dabei wissen wir das eigentlich nicht. Glaube ist auch nicht etwas für die Schwachen. Menschen kommen eher in den Momenten zum Glauben, an denen sie erkennen, dass sie Mensch sind und nicht Gott. Und das sind häufig Zeiten im Leben, in denen einem die eigene Beschränktheit bewusst wird. Ich habe mit sechs Jahren erfahren, dass mir das Leben geschenkt wurde und ich es mir nicht selbst gegeben habe. Ich als Geschöpf bin abhängig von meinem Schöpfer.

Das bedeutet nicht, dass ich jeden Tag Angst haben muss, dass es gleich wieder vorbei ist. Stattdessen habe ich eine dankbare Perspektive auf das Geschenk des Lebens und das Bewusstsein um seine Endlichkeit, die mich auch heute in die Verantwortung rückt, mein Hier und Jetzt so zu nutzen, dass es Ewigkeitswert hat.