Spontan ans andere Ende der Welt.

Spontan ans andere Ende der Welt.

Geschrieben am 13.06.2020
von Linda Habicht


Es begann mit dem Ziel abzuhauen und den Sinn des Lebens zu finden. Es endete damit, dass wir in 2,5 Monaten 5 Länder bereisten und die beste Zeit unseres Lebens hatten.

Letztes Jahr beschloss ich ziemlich spontan, ins Ausland zu gehen. Ich war gerade fertig mit meiner Erzieherausbildung. Wie eine große Mauer vor mir, kam die Frage auf "was mache ich jetzt?", "Was will ich studieren?". So schlich sich der Gedanke zu reisen in meinen Kopf, etwas, was ich schon immer machen wollte. Die Welt sehen, verschiedene Kulturen kennen lernen, neue Menschen treffen und dabei vielleicht meine Bestimmung finden.

Einer Freundin von mir ging es genauso, weswegen wir beschlossen, den Schritt gemeinsam zu wagen. Voller Begeisterung und Tatendrang entschlossen wir uns für Neuseeland. Doch dann kamen wir auf die verrückte Idee noch mehr von der Welt zu sehen und buchten insgesamt 5 Flüge. Unser neuer Plan lautete: Thailand, Philippinen, Bali, Australien und dann Neuseeland. Und für all diese Länder planten wir 2,5 Monate ein (außer Neuseeland). Jeder nannte uns verrückt, in so kurzer Zeit, so viele Länder zu bereisen, ohne Plan. Doch wir konnten es kaum erwarten.

Erster Halt: Thailand – unsere Liebe auf den ersten Blick

All meine Vorstellungskraft wurde übertrumpft. Angefangen mit der schillernden Kultur in Thailand und den freundlichsten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Ich bewundere dieses Land, die Kultur und vor allem die Menschen, da sie nie ihre Freundlichkeit und Gelassenheit verlieren und ihre Kraft aus der Liebe zur Familie und dem genügsamen Leben schöpfen. Wir haben die schönsten Tage unseres Lebens dort verbracht, sind von Insel zu Inseln gefahren, gingen auf Tauchkurs sind tauchen gegangen mit Haien und Schildkröten, haben die schönsten Aussichtspunkte besucht und auch das Moped fahren gelernt. Wir haben eine Woche auf einer Partyinsel durchgefeiert aber auch einfach mal am Strand und Pool mit einer frischen Kokosnuss entspannt. Alle Momente sich spontan und per Zufall entstanden, die nicht besser hätten sein können.

Station zwei: die Philippinen – zurück zum Anfang

Auf den Philippinnen waren wir nur für zwei Wochen und es war ein Kulturschock. Im kleinen Ort Puerto Galera angekommen, waren wir die einzigen Touristen im ganzen Ort. Unser „Hotel“ entpuppte sich als kleines einfaches Zimmer, ohne Wlan oder Kochmöglichkeiten. Wir mussten uns ganz altertümlich Simkarten holen. Aber zurückblickend hat es gutgetan, mal ohne Internet zu sein und wir konnten alles viel mehr genießen. Gutes Essen zu finden war auch schwierig, weil die Touristen-Restaurants ziemlich teuer waren und wir uns so 1.5 Wochen nur von süßem philippinischem Gebäck ernährten (was himmlisch schmeckte). Auch hatten wir unsere Leidenschaft fürs Moped fahren entdeckt. Wir besuchten verlassene Wasserfälle, die wir hinunterrutschten und fuhren an paradiesische Strände.

Nächster Halt: Bali – Meer, Natur und ganz viel Yoga

Von der wilden Natur und dem einfachen Leben ging es nach Bali. Eine Trauminsel, die trotz viel Tourismus einen schönen Charme versprüht. Die Menschen halten ganz traditionell an ihrer Religion fest. Vor jedem Hauseingang lagen Opfergaben und es war überall bunt und voller verschiedener Gerüche. Hier haben wir das einfache Leben hinter uns gelassen und lebten in einem Hostel mit Pool und freien Yoga-Klassen. Wir mieteten wieder ein Moped und ließen uns treiben, fuhren jeden Tag zu einem neuen Ort und erkundeten die Insel. Wir besuchten die wunderschönen Reisterrassen, viele Wasserfälle und Tempel und surften zum ersten Mal überhaupt! Am liebsten waren uns aber die ruhigeren Orte mit weniger Touristen, die meistens auch tausendmal schöner sind. Von da aus fuhren wir hoch nach Bali rein und in die große Stadt Ubud. Wieder rein ins Stadtleben. Bei der Stadterkundung wurden wir von Affen gejagt, verbrachten Weihnachten in einem veganen Restaurant und lernten die leckersten Früchte überhaupt kennen: Mangosteen, Drachenfrucht, Lychees und die Schlangenfrucht.

Angekommen in Australien – mit viel Glück ins neue Jahr gerutscht

Weiter ging es dann nach Australien, erster Stop: Melbourne. In Melbourne haben wir das Großstadtleben wiederentdeckt. Wir machten eine Stadtführung, tranken Cocktails mit einer Freundin aus dem Hostel in einer Rooftopbar und gewannen 60$ in der Silvesternacht im Casino beim Black Jack spielen. Dann ging es auch schon weiter nach Sydney. Eine riesige Stadt und noch viel mehr zu entdecken. Wir besichtigten das Opernhaus, den Bondi Beach und erlebten eine verrückte Nacht im Nachtleben von Sydney.

Sehensuchtshalt: Kia Ora Neuseeland – angekommen am anderen Ende der Welt

Unser erster Stopp in Neuseeland war Auckland. Wir landeten in einem ziemlich herunter gekommenen Hostel, wo wir uns direkt mit unseren Mitbewohnern anfreundeten. Desto abgewrackter das Hostel, desto besser sind die Leute, die man trifft. Dann kam der aufregende Tag: wir sollten unser Auto bekommen. Es war ein echt gutes Gefühl mit einem eigenen Auto unabhängig zu sein. Wir konnten den Tag nun so gestalten wie wir wollten. Unsere ersten Entdeckungstouren führten uns in atemberaubende und vielseitige Landschaften, wie in ein Geothermalgebiet. Wir verirrten uns in einer alten Goldmine und gingen in einer heißen Naturquelle baden.

Auf Facebook entdeckten wir eine Jobmöglichkeit als Fruchtverkäufer und entschlossen erstmals etwas länger an einem Ort zu bleiben. Wir befanden uns in der „Hauptstadt der Avocados“, was wir auch gut ausnutzten. Die Gegend war traumhaft schön und mit Freunden hitchhikten wir zum ersten Mal. Wir hüpften und tanzten am Straßenrand herum und streckten den Daumen raus, bis jemand uns mitnahm. Einmal wurden wir sogar von der Polizei mitgenommen. Wir trafen unseren guten Freund Angus, mit dem wir spontan Blaubeeren, Orangen und Avocados pflückten und mit dem wir mit auf sein Boot durften. Wir sahen Fischschwärme mit hunderten von Fischen und Pinguine. Meine Freundin schoss einen Fisch mit einer Harpune und wir aßen selbstgefangenen Hummer am Abend. Die Menschen in Neuseeland sind sehr gelassen und superfreundlich.

Nachdem wir die Nordinsel abgehakt hatten, ging es weiter mit der Fähre auf die Südinsel. Die Tage flogen an uns vorbei und wir erkundeten jeden Tag neue Gegenden. Wanderten Berge hoch auf denen Schnee lag aber die Sonne so stark war, dass wir Sommerklamotten trugen, besuchten die schönsten Strände und die klarste Quelle der Welt. Das Leben gestalteten wir so einfach wie möglich, wuschen uns und auch unsere Klamotten im Fluss und wanderten in Flip-Flops. Meist kamen wir spät abends am Campingplatz an, um uns morgens direkt weiter ins nächste Abenteuer zu stürzen.

Danach ging es noch einmal zurück auf die Nordinsel und Richtung Gisborne, wo wir für 3 Monate auf einer Kiwi und Apfelfarm arbeiten wollten. Wir waren 25 Backpacker, die zusammen in einem Haus, inmitten von Kiwiplantagen wohnten. Wir arbeiteten von 7-17:00 Uhr auf der Farm und lernten auch die Arbeit im Packhouse kennen, bei der wir von 15:00-23:00 Uhr Kiwis verpackten. An den freien Tagen fuhren wir an den Strand, surften und gingen feiern.

Endstation – Corona

Doch dann kam leider der Corona Ausbruch. Zu Beginn bekamen wir nicht allzu viel davon mit, bis es uns schließlich betraf. Wir lebten und arbeiteten weiterhin auf der Farm, durften jedoch nur noch einkaufen gehen und uns ansonsten nicht mehr frei bewegen. Es war nicht allzu schlimm, nur war es schade, sodass immer mehr Backpacker beschlossen, nachhause zu fahren. So verließen uns schließlich auch unsere engsten Freunde vor Ort. Auch in uns wuchsen die Zweifel, sollen wir bleiben oder gehen? Wie lange stecken wir hier in Neuseeland wohl fest? Am Ende beschlossen auch wir mit dem Rückholprogramm nachhause zu kommen. Gespannt warteten wir auf die Mail mit der Flugbestätigung, und dann kam sie auch - viel früher als erwartet. Wir fuhren 4 Stunden hoch zum Flughafen nach Auckland und machten uns auf den 24h Flug gefasst. Damit sind wir jetzt einmal um die Welt geflogen.

Wieder zurück an den Anfang

In Deutschland holte mich das Gefühl wieder ein, was ich schon in der Vergangenheit verspürt habe. Ich vermisse die Gelassenheit und die Freiheit. Jetzt bemerke ich erst recht, wie ich mich verändert habe. Ich habe gelernt das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Der Druck, den ich so stark am Anfang meiner Reise gespürt habe, nicht zu wissen was ich studieren will, hat nachgelassen. Ich lasse mich vom Leben leiten, mache mir nicht so viele Gedanken oder Pläne über morgen und bin lebendiger und glücklicher als je zuvor. Die Menschen die wir trafen haben uns gezeigt, dass an dem Sprichwort „weniger ist mehr“ viel Wahres dran ist. Das Glück ist viel greifbarer, wenn man sich auf die wesentlichen wichtigen Dinge im Leben konzentriert.

Die wahre Freude und das tiefe Glück findet man in sich selbst, wenn man freundlich, gutherzig und hilfsbereit ist. Denn das, was man den Leuten gibt, bekommt man doppelt zurück. Mein Fazit zur Reise ist, dass man keinerlei Hilfsmittel wie zum Beispiel Geld braucht, um sich glücklich und zufrieden zu fühlen. Neugier, Offenheit und Freude am Sein sind alles was man braucht.