Von den Herausforderungen des Lebens

Von den Herausforderungen des Lebens

Geschrieben am 21.06.2020
von Kathrin von Wolkenstein


Ich bin Mutter einer 14 monatige alten Tochter und lebe in der arabischen Welt. Gerade zu Zeiten von Corona verbringe ich viel Zeit zuhause. Zum einen, weil ich an meine kleine Tochter gebunden bin. Noch viel mehr jedoch, da bei uns nun schon seit drei Monaten eine strenge Kontaktsperre herrscht. Ich, die immer versucht hat mehr Teller als möglich zu balancieren, stand nun vor der großen Frage: Was mache ich mit all der Zeit? Aber die noch größere Herausforderung, ist die, das in dieser Zeit, in der ich mich viel mit mir selbst beschäftige, einige Probleme ans Licht kommen.

Als ich vor ein paar Tagen mit einer Freundin telefonierte, klagte ich ihr mein Leid: „Ich dachte immer, dass ich mein Leben eigentlich „beieinander“ hätte. Natürlich wusste ich, dass ich nicht perfekt bin, aber dass so etwas in mir steckt …?
Und dann sagte sie mir ein paar ermutigende Sätze, die ich gerne weitergeben möchte: „Weißt du, Kathrin. Gott hat es nicht umsonst so gemacht, dass wir an unsere ersten Lebensjahre nicht viele Erinnerungen haben. Er hat Gnade mit uns Müttern und wir dürfen auch dazulernen und besonders am Anfang Fehler machen. In ein paar Jahren wirst du gereift und wunderschön sein, weil du dich verändert hast. Und dann kann deine Tochter über dich sagen: Wow, habe ich eine schöne Mama!“

Deshalb möchte ich euch von meinen zwei größten Kämpfen erzählen, sodass auch ihr Mut habt, schwierige Situationen anzugehen und zu wunderschönen Menschen werdet.

Anerkennung

Mein größter Kampf liegt wahrscheinlich darin, Anerkennung von anderen zu bekommen.
Wenn ich in der Küche stehe und ein Abendessen für meine Familie oder Gäste koche, erwische ich mich dabei, mich jetzt schon über ein Lob zu freuen.
Wenn mein Mann mir eine Zeit lang nicht sagt, dass er mich schön findet, werde ich genervt.
Wenn jemand etwas besser als ich kann, merke ich wie die Eifersucht in mir hochkommt und wenn ich etwas gut mache, schleicht sich ein stolzes Gefühl ein.
„Das kann doch nicht sein!!!“ stelle ich immer wieder enttäuscht fest. Ich will doch meine Gefühle nicht von anderen Menschen abhängig machen. Diese Sucht nach Anerkennung wirft mich wie eine große Welle immer hin und her, ohne dass ich festen Grund unter den Füßen habe. Ich brauche einen Felsen, auf dem ich stehe, jemand der mich immer bedingungslos annimmt und von dem allein ich abhängig sein möchte. Menschen, deren Gefühle und Meinungen ändern sich, aber Gott nicht.

Gott, der Schöpfer des Universums, nimmt mich an, so wie ich bin. Ich darf ihn meinen Vater nennen, ihn, für den nichts unmöglich ist. Er weiß, wie es mir geht, er kennt mich durch und durch. Von ihm bin ich geliebt.
Und mal ganz ehrlich – wenn ich von so jemanden alle Anerkennung und bedingungslose Liebe zugesprochen bekomme – was kümmert mich dann noch die Meinung anderer Menschen?

Beistand

„Meinst du, ich könnte heute Abend mit einem Freund joggen gehen?“ Fragt mich mein Mann. „Klar!“, antworte ich. Aber ich merke selber, dass dieses „klar“ nicht wirklich so gemeint ist. In mir nagt die Eifersucht. „Toll!“ denke ich mir. „Jetzt war ich schon den ganzen Tag allein und muss auch noch den Abend in Einsamkeit verbringen. Er sieht meine Situation ja gar nicht. Ich kümmere mich die ganze Zeit um ein kleines Kind und habe keine Möglichkeit hier Menschen zu treffen. Ich hasse es allein zu sein.“ Und trotz meines „Klar“ lasse ich ihn deutlich spüren, dass ich nicht glücklich über das Treffen mit seinem Freund bin. Unterbewusst setze ich ihn damit unter Druck und lasse ihn spüren wie „ungerecht“ doch alles ist.
Aber nachdem mir das bewusst geworden ist, merke ich selber: „Das macht doch keinen Spaß!“

Und deswegen möchte ich gerne meine Gedanken erneuern und meinem Mann mehr Freiheiten geben, das zu tun, was ihn glücklich macht. Ich will nicht als erstes daran denken, dass durch seine Aktivitäten unsere gemeinsame Zeit darunter leiden muss. Nein, sondern ich will mich darauf freuen, wenn mein Mann mit leuchtenden Augen von einem Ausflug zurückkommt und mir erzählt, was er erlebt hat. Ich will ihm den Freiraum geben, dass er der Mann sein kann, in den ich mich verliebt habe und ihm die Möglichkeiten geben, sich weiter zu entwickeln. Ich weiß, dass nicht nur er davon profitieren wird, sondern auch ich. Ich werde mit der Zeit frei davon werden alles kontrollieren zu wollen und mit einem lebenslustigen Mann mit glänzenden Augen zusammenleben. Ich weiß, dass er in Momenten, in denen ich ihn wirklich brauche, mir mit Freude und ohne Angst etwas zu verpassen, beistehen wird.