Die Galappagos Inseln - China bedroht die biologische Vielfalt

Die Galappagos Inseln - China bedroht die biologische Vielfalt

Geschrieben am 11.08.2020
von Camilo Angulo


Die Galapagos-Inseln gelten aufgrund ihrer weltweit einzigartigen Biodiversität als UNESCO-Weltkulturerbe. Und doch werden die Inseln seit Kurzem von einer gewaltigen chinesischen Fischereiflotte verwüstet. Anfang August haben Mitglieder der ecuadorianischen Streitkräfte die Bewegungen der großen Flotte von mehr als 360 Fischereifahrzeugen genau verfolgt.

Im August gingen Videos der chinesischen Fischereiflotte viral, die ein Ecuador für Empörung sorgten, da die ecuadorianischen Streitkräfte kaum Maßnahmen ergreifen konnten. In diesem Fall konnte die ecuadorianische Regierung sie nicht festnehmen, da die Boote grundsätzlich die ecuadorianische Souveränität als solche nicht verletzt hatten. Nur in dem Moment, in dem die Boote eine bestimmte Zone durchqueren, können sie nach ecuadorianischem Gesetz festgenommen werden.

Jedes Land mit Zugang zum Meer hat Anspruch auf eine so genannte "wirtschaftliche und ausschließliche Zone", die in der Regel 200 Seemeilen vom Festlandsockel jedes Landes entfernt ist. In diesem Gebiet dürfen nur Schiffe mit der entsprechenden Genehmigung des betreffenden Landes wirtschaftliche Tätigkeiten wie Fischfang, Öl- oder Gasförderung ausüben. Außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone beginnt das sogenannte "internationale Gewässer oder Hohe See" – dieses Gebiet gehört keinem Land und ist für alle Länder eine freie Zone für Transit, Fischerei und Ausbeutung.

Im Falle Ecuadors hat das Land die Souveränität über seine 200 Seemeilen der kontinentalen Plattform. Da die Galapagos-Inseln ein ecuadorianisches Überseegebiet sind, kommen zu den 200 Seemeilen, die Ecuador bereits besitzt, weitere 200 Seemeilen hinzu. Daher hat die ausschließliche Wirtschaftszone des Landes die folgende Form: (wie auf der Karte zu sehen ist)

Die Galapagos-Inseln haben quasi eine runde, ausschließliche Wirtschaftszone, wobei sich die (AWZ) des ecuadorianischen Festlandes von der Grenze bis 200 Seemeilen im Pazifik erstreckt. Zwischen den beiden ausschließlichen Wirtschaftszonen gibt es einen schmalen Streifen, in dem der ecuadorianische Staat weder wirtschaftliche noch rechtliche Zuständigkeit hat. Genau in diesem Streifen, der "internationales Gewässer" ist, liegen die 360 chinesischen Fischereifahrzeuge.

Das Problem liegt in den Fangtätigkeiten, die an der Grenze von Wirtschaftszonen ausgeübt werden. Diese Tätigkeit wirkt sich direkt auf die biologische Vielfalt der Inseln aus, da sowohl die ecuadorianische Küste als auch der Archipel durch Unterwasserströmungen verbunden sind, in denen die Wanderung von vielen Meerestiere sehr stark ist. Die Durchquerung dieses Streifens, in dem Ecuador keine Souveränität besitzt, ist für diese Meerestiere besonders wichtig. Außerdem kann durch eine übermäßige Ausbeutung der Meeresfauna dieses Gebietes das empfindliche Gleichgewicht der Galapagos-Inseln gefährden und zum Aussterben wandernder Tierarten führen.

Es ist nicht das erste Mal, dass illegale Fischereiaktivitäten von chinesischen Fischerbooten durchgeführt werden. Chinesische Fischer wiederholen jedes Jahr ihre Beutezüge, ohne große Rücksicht auf internationale Gesetze und Abkommen. Im Jahr 2017 beschlagnahmten die ecuadorianischen Streitkräfte in den geschützten Gewässern des Reservats ein unter chinesischer Flagge fahrendes Schiff mit etwa 300 Tonnen Meerestiere, darunter allein 6600 tote Haie, auch solche, die unter strengem Naturschutz stehen.

Aus diesem Grund fordern viele ecuadorianische Bürger und Meeresschutzaktivisten, die chinesischen Boote zu verhaften, aber solange sie sich in internationalen Gewässern befinden, kann Ecuador sie nicht festnehmen. Andererseits könnte ein direkter Angriff der ecuadorianischen Marine als Aggression angesehen und vom ecuadorianischen Staat als Kriegsverbrechen betrachtet werden. Daher ist die Option einer bewaffneten Intervention durch die ecuadorianische Regierung praktisch undenkbar und würde schwerwiegende diplomatische Konsequenzen mit sich bringen.

Darüber hinaus ist China die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und hat die drittstärkste Armee der Welt, verglichen mit der ecuadorianischen Armee, die eine der am wenigsten finanzierten und fähigsten in der Region ist. China ist auch der zweitwichtigste Handelspartner Ecuadors, in die das Andenland die meisten seiner Produkte exportiert. Darüber hinaus hat Ecuador bei dem asiatischen Land Schulden in Höhe von rund 6 Milliarden Dollar.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass es sich bei den chinesischen Schiffen nicht um Militärschiffe handelt, sondern nur um private Fischereifahrzeuge, weshalb China nicht für die Aktivitäten verantwortlich ist, die diese Schiffe im Ausland ausführen. Aber als solche profitiert sie wirtschaftlich, da dieser illegale Fischfang auf den chinesischen Küstenmärkten landet, ohne irgendeine Art von Steuern dafür zu zahlen.

Die ecuadorianische Regierung hat die chinesische Regierung mehrmals um ein Eingreifen gebeten, um die Präsenz von Fischerbooten in diesem Gebiet zu verhindern, doch die Maßnahmen und das Interesse seitens des asiatischen Landes waren gering. Zunächst sollte die Regierung zunächst internationalen Druck ausüben, um eine diplomatische Lösung zu erreichen. Darüber hinaus sollte sich der ecuadorianische Staat mit der Marine seiner Nachbarländer Kolumbien, Peru und Panama verbünden. In der Union liegt die Kraft, und es ist sehr wichtig, über eine lateinamerikanische Integration und Zusammenarbeit nachzudenken, um diese Art von Missbrauchen zu vermeiden.