Die Macht der Gedanken – Positives Denken, positives Befinden?!

Geschrieben am 12.01.2021
von Lina Malessa

Wohlbefinden und Zufriedenheit – das sind wichtige Aspekte unserer mentalen Gesundheit. Wir können selber aktiv dazu beitragen, dass es uns gut geht. Welche Rolle spielen dabei unsere Gedanken?



Haben unsere Gedanken wirklich eine so große Macht? Entscheiden sie über unser Befinden und beeinflussen, was in unserem Leben passiert? Können wir Dinge einfach positiv sehen und uns damit unsere eigene Realität erschaffen? Das klingt mehr nach Hokus Pokus als nach Wirklichkeit. Doch zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse und therapeutische Techniken, dass sich dahinter Wahres verbirgt. Deswegen möchte ich euch ein Bild davon vermitteln, wie ihr eure Gedanken bewusst einsetzen und zu einem erhöhten Wohlbefinden gelangen könnt.

In unserer Welt gibt es nicht die eine objektive Realität oder Wahrheit. Vielmehr geben wir Situationen anhand persönlicher Interpretationen eine subjektive Bedeutung. Diese Interpretationen geschehen meist automatisch und unbewusst. Sie werden durch Erwartungen und Überzeugungen beeinflusst, die sich auf früheren Erfahrungen basierend ausgebildet haben. Daher können zwei Personen ein und dieselbe Situation unterschiedlich interpretieren. Für beide Personen ist ihre Interpretation der Situation wahr und wird zunächst nicht angezweifelt. Außerdem fallen uns eher die Dinge auf, die unsere Überzeugungen bestätigen, als solche, die ihnen widersprechen. Diese selektive Wahrnehmung wirkt selbstverstärkend und kann eine selbsterfüllende Prophezeiung begünstigen.

Was ist damit gemeint?

Stellt euch vor, Lisa hat in ihrer Kindheit vermehrt Erfahrungen gesammelt, nicht akzeptiert zu werden. Aufgrund ihrer Erlebnisse hat Lisa die Überzeugung entwickelt, dass andere Menschen sie nicht mögen und sie in Gruppen nicht integriert ist. Auch heute findet sie immer wieder Hinweise, die ihre Überzeugung bestätigen. Beispielsweise verabreden sich Freunde von Lisa hin und wieder, ohne ihr Bescheid zu geben. In Lisas Gedanken sind die Treffen ihrer Freunde ohne sie präsenter als jene, zu denen sie eingeladen wird. Sie interpretiert dies dahingehend, nicht erwünscht zu sein und zieht sich deswegen mehr und mehr zurück. Lisas Freunde bemerken ihren Rückzug und laden sie immer seltener zu Gruppenaktivitäten ein. Eine andere Frau aus der Gruppe ist ebenfalls nicht Teil jeden Treffens. Sie interpretiert dies jedoch nicht als beabsichtigte Ausgrenzung und bringt sich weiter aktiv in die Gruppe ein. Welcher der beiden Frauen wird es am Ende besser gehen?

Natürlich lässt sich dieses Beispiel nicht auf jede Situation übertragen. Dennoch veranschaulicht es den zugrundeliegenden Kreislauf. Wir erleben eine bestimmte Situation und interpretieren diese auf Basis unserer Erfahrungen und Überzeugungen. Als Folge unserer Gedanken entwickeln wir (negative oder positive) Gefühle. Darauf aufbauend reagieren wir auf die Situation und passen unser Handeln an. Unser Verhalten trägt dazu bei, wie die Situation sich weiterentwickelt. Infolgedessen werden wieder Gedanken ausgelöst und der Kreislauf beginnt von vorne. Unsere Gedanken haben also nicht nur Macht über unsere Gefühle. Sie können über unsere Reaktionen und resultierenden Handlungen die Realität und somit auch unser Befinden zum Positiven oder Negativen verändern. Dieser Interpretations- und Handlungsspielräume sind wir uns oft gar nicht bewusst, da wir in unseren Denkmustern festgefahren sind.

Wie können wir zu mehr positivem Denken gelangen?

Der erste Schritt zu positivem Denken und mehr Wohlbefinden ist, die eigenen Gedanken zu hinterfragen und ein Bewusstsein für diese Vorgänge zu entwickeln. Wir können es nicht vermeiden, in herausfordernde Situationen zu gelangen und wir können die Menschen um uns herum nicht verändern. Über unser eigenes Denken aber haben wir Kontrolle und unser darauf aufbauendes Verhalten können wir aktiv steuern. Warum dann nicht einfach mal wagen, aus alten Mustern auszubrechen, positive Gedanken zu fokussieren und neue Wege zu gehen?

Ich selber habe in den letzten Jahren daran gearbeitet, Situationen reflektierter zu betrachten und meine Gedanken zu hinterfragen. Ich versuche stets, auch aus schwierigen Situationen etwas Positives zu ziehen. Mir persönlich hilft das in verschiedensten Situationen im Alltag weiter und ich bin heute deutlich ausgeglichener und zufriedener. Daher möchte ich euch ein paar Tipps für die Umsetzung mit an die Hand geben.

Tipps für die Umsetzung

1. In einer Situation, die ihr negativ interpretiert, könnt ihr aufkommende Gedanken aufschreiben. Stellt euch Fragen wie: Warum habe ich diese Gedanken? Welche Überzeugungen stehen dahinter? Wie hätte ein Freund oder eine Freundin die Situation interpretiert? Welche alternativen Deutungen der Situation gibt es? Sind meine Gedanken hilfreich und zielführend? Hier könnt ihr noch einen Schritt weitergehen und euch vorstellen, wie die Situation je nach eurer Interpretation, Reaktion und Handlung ausgehen könnte. Wählt dann doch einfach mal den Weg, bei dem ihr mit der höchsten Wahrscheinlichkeit euer Ziel erreicht. Vielleicht hilft es euch auch, mit einem guten Freund oder einem Familienmitglied über eure Gedanken zu sprechen. Manchmal haben andere Personen (aufgrund anderer Erfahrungen und Überzeugungen) eine ganz andere Sicht, die weitere Möglichkeiten eröffnet.

2. Denkt bei einem herausfordernden oder negativen Erlebnis darüber nach, was ihr daraus lernen und für die Zukunft mitnehmen könnt. Anstatt euch auf die negativen Aspekte zu versteifen, die ihr nicht verändern könnt, versucht ihr, einen Nutzen aus der Situation zu ziehen. Erhaltet ihr beispielsweise auf eine Bewerbung hin eine Absage, könnt ihr die Rückmeldung als Anreiz nutzen, eure Bewerbungsunterlagen zu verbessern.

3. Eine hilfreiche Übung ist zudem, aktiv nach positiven Dingen in eurem Leben zu suchen. Oftmals nehmen wir die schönen Dinge im Leben gar nicht wahr, da sie für uns normal und selbstverständlich sind. Herausforderungen und Problemsituationen dahingegen fallen uns auf. Jeder wird auf der Suche nach negativen Ereignissen in seinem Leben fündig. Genauso kann jeder aber auch Positives finden. Wenn wir doch selber  entscheiden können, woran und wie wir denken, warum dann nicht einfach mal an die positiven Dinge denken?

Positive Wirkungen positiver Gedanken

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Inspirationen mitgeben, warum es sich lohnt, positiv zu denken:

  • Eröffnung neuer Möglichkeiten durch alternative Interpretationen, Reaktionen und Handlungsanpassung
  • Besserer Umgang mit Stressphasen oder schwierigen Situationen
  • Verbesserter Umgang mit Konflikten – bei der Auseinandersetzung mit Konflikten eröffnet ein positives Denken neue Möglichkeiten, bei negativem Denken hingegen drehen wir uns oft im Kreis
  • Erhöhtes Gefühl von Selbstwirksamkeit – durch die aktive Veränderung von Gedanken, Reaktionen und Handlungen wirken wir auf die Realität und unser Befinden ein
  • Weniger Stress – negative Gedanken führen zur Ausschüttung von Stresshormonen
  • Höheres allgemeines Wohlbefinden