Die Identitätsstörung des Borderliners

Geschrieben am 13.01.2021
von Josephina Petersen

Borderline“ ist eine schwerwiegende Entwicklungsstörung, welche sich aufgrund von negativen Prägungen in der frühen Kindheit herausbildet. Viele Menschen, welche mit dieser Störung leben, haben Probleme, ein eigenes Ich, eine Identität zu entwickeln.



© Pixabay

Die Diagnostik einer Borderline-Störung geht einher mit der Erfüllung von mindestens fünf der insgesamt neun Kriterien, welche ausschlaggebend für diese Persönlichkeitsstörung ist. Punkt drei ist im „DSM5“, dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, betitelt mit folgender Begrifflichkeit: „Störung der Identität: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung“. Außerdem gilt ein „chronisches Gefühl von Leere“ zu den erwähnten neun Kriterien der Diagnostik. Wie lässt sich dies nun in die Praxis und auf einen Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeit übertragen?

Das Strukturmodell nach Siegmund Freud

Nach der Psychoanalyse von Siegmund Freud besteht die menschliche Psyche aus dem Strukturmodell „Es“, „Ich“ und „Über-Ich“. Das „Es“ dient der Bedürfnisbefriedigung und dem Überlebensdrang. Ein Neugeborenes agiert lediglich aus dem „Es“ heraus, etwas Anderes hat es noch nicht gelernt. So ist die Lust-Maximierung (Essen, Fortpflanzung) und die Unlust-Vermeidung (z.B. nicht frieren, Hunger) der zentrale Trieb dieser unbewussten Struktur. Das „Über-Ich“ wird von außen an das Kind durch die Erziehung herangetragen. Es steht für moralische Werte und Sozialkompetenz, welche das Kind durch die Vermittlung seiner Bezugspersonen (z.B. der Eltern) erlernt. Wenn hier bereits nicht stimmige Erziehungsmodelle angewandt und dadurch falsche Vorstellungen vom Leben vermittelt wurden, ist es schwierig für den Borderliner, angemessene soziale Kompetenzen sowie eine eigene Ich-Identität zu entwickeln.


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Die Diagnostik einer Borderline-Störung geht einher mit der Erfüllung von mindestens fünf der insgesamt neun Kriterien, welche ausschlaggebend für diese Persönlichkeitsstörung ist. Punkt drei ist im „DSM5“, dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, betitelt mit folgender Begrifflichkeit: „Störung der Identität: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung“. Außerdem gilt ein „chronisches Gefühl von Leere“ zu den erwähnten neun Kriterien der Diagnostik. Wie lässt sich dies nun in die Praxis und auf einen Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeit übertragen?

Das Strukturmodell nach Siegmund Freud

Nach der Psychoanalyse von Siegmund Freud besteht die menschliche Psyche aus dem Strukturmodell „Es“, „Ich“ und „Über-Ich“. Das „Es“ dient der Bedürfnisbefriedigung und dem Überlebensdrang. Ein Neugeborenes agiert lediglich aus dem „Es“ heraus, etwas Anderes hat es noch nicht gelernt. So ist die Lust-Maximierung (Essen, Fortpflanzung) und die Unlust-Vermeidung (z.B. nicht frieren, Hunger) der zentrale Trieb dieser unbewussten Struktur. Das „Über-Ich“ wird von außen an das Kind durch die Erziehung herangetragen. Es steht für moralische Werte und Sozialkompetenz, welche das Kind durch die Vermittlung seiner Bezugspersonen (z.B. der Eltern) erlernt. Wenn hier bereits nicht stimmige Erziehungsmodelle angewandt und dadurch falsche Vorstellungen vom Leben vermittelt wurden, ist es schwierig für den Borderliner, angemessene soziale Kompetenzen sowie eine eigene Ich-Identität zu entwickeln.



Anpassung und Unterwerfung in Beziehungen

Diese Prägung führt leider dazu, dass der Borderliner im Erwachsenenalter Schwierigkeiten hat, sich selbst in angemessener Weise zu behaupten. Wenn das Trauma nicht aufgelöst wird, dann lebt der Borderliner auch im Erwachsenenalter mit dieser Annahme, welche das „Über-Ich“ ihm – in meinem Fall mir – „eingeprügelt“ hat. Auch wird der Borderliner Schwierigkeiten haben, seine Bedürfnisse wahrzunehmen oder auch mitzuteilen. Er weiß nicht, wer er ist und was er braucht. So gestalten sich dann auch die Beziehungen des Borderliners. Um Liebe und Anerkennung zu erhalten, unterwirft er sich und nimmt die Ansichten und Interessen des Partners an. Auch im Freundeskreis kann es gut sein, dass der Borderliner seine Freunde idealisiert, übermäßig zuvorkommend ist, sich gar ausnutzen lässt und so dort Anschluss findet, um seine fehlende Identität zu kompensieren. Der Blick des Borderliners ist im Außen: Wie möchte meine Umwelt mich haben? Wie komme ich am besten an? So gibt er sich in gewisser Weise eine Identität. Doch im Grunde ist dies lediglich eine Re-Inszenierung seines bereits erlebten Traumas der Kindheit.

Den Blick nach innen richten und sich selbst kennenlernen

Viele Borderliner stehen irgendwann vor der Frage „Wer bin ich eigentlich?“. Im Rahmen seiner Therapie kann der Borderliner lernen, dass seine wahre Identität weder aus seinen destruktiven Verhaltensweisen besteht noch aus den negativen Glaubenssätzen, welche er seit frühester Kindheit von seinem „Über-Ich“ introjiziert bekommen hat. Wenn ihm dies bewusst wird, hat er nun die Möglichkeit zur eigentlichen Selbstwerdung. Der Borderliner muss beginnen, seinen Blick nach innen in seine Gefühlswelt zu richten: Wer bin ich? Was macht mir Spaß? Was sind meine Bedürfnisse? Auch die Frage nach seinen Werten und Zielen oder den Moralvorstellungen kann ihn immens in seiner persönlichen Entwicklung weiterbringen und ein Stück näher an sein wahres „Ich“. Wenn ihm dies stückweise gelingt, wird das charakteristische chronische Gefühl von Leere immer weniger, denn der Borderliner selbst säht sich nun einen Nährboden in sein Inneres, von welchem er zehren kann. So werden die Abhängigkeit und die Gier nach Bestätigung im Außen auch deutlich weniger und der Borderliner insgesamt ruhiger. Ein Ankommen in sich selbst…? Definitiv!