Von äußerer Ordnung zu einem bewussteren Konsum

Geschrieben am 22.01.2021
von Candan Demir

„Wie innen, so außen – wie außen, so innen!“. Dies besagt das kosmische Gesetz. Aber wie wirkt sich eine äußere Ordnung auf unser Wohlbefinden aus? Können wir dadurch sogar bewusster durchs Leben gehen?



Alle Bilder: © f1rstlife / Candan Demir

Jeder hat diesen einen geliebten Stuhl, der für die hohen Klamottenberge herhalten muss. Spätestens dann, wenn kein Platz mehr für das nächste Kleidungsstück gefunden wird, merkt man die störende Unordnung, in der man sich befindet. Wo soll man nur anfangen? Das Aufräumen doch auf morgen verschieben? Nein! Fang schon heute damit an, deine Umgebung aufzuräumen, um nicht nur eine grundlegende Ordnung zu schaffen, sondern auch, um dich selbst zu verändern.


Ordnung in die eigenen vier Wände mit der KonMari-Methode bringen

Mari Kondo ist einer der einflussreichsten Frauen und Bestseller-Autorin. In ihrem Buch „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ stellt sie ihre Aufräummethode „KonMari“ vor. Die Ordnungsberaterin lehrt in ihrem Buch das Ausmisten und Entrümpeln. Dies erfolgt, in dem wir die Dinge in der Hand halten und merken, dass sie uns nicht mehr positiv berühren und keine Freude („Sparking Joy“) mehr bereiten. Was bestehen soll, sind die Dinge, die uns wirklich am Herzen liegen und uns glücklich machen. Beim Aussortieren empfiehlt Kondo nach Kategorien und nicht nach Räumlichkeiten vorzugehen.

Als Erstes rät sie mit den Kleidungsstücken anzufangen, da das Loslassen und Wegwerfen hierbei einfacher sei als bei anderen Gegenständen, welche einen emotionalen Wert besitzen. Das Ausmisten kann dann nach der Reihenfolge: Bücher, Unterlagen, Krimskrams „Komono“ und Erinnerungsstücke erfolgen. Sein ganzes Hab und Gut sollte man aus den Schränken entnehmen und aufeinander zu einem Haufen legen. Nur so sei es besser zu visualisieren, wie viele Besitztümer man hat und einem werde zusätzlich die Dringlichkeit des Entrümpelns klarer. Schließlich bekommt jedes verbleibende Teil seinen eigenen Platz nach der KonMari-Methode. Eine sichtbare und ruhige Ordnung innerhalb seiner vier Wände soll dann auch zu einer inneren Ordnung und damit zu einem inneren Wohlbefinden führen.


Bedanke dich, lass los und finde zur Ruhe

Das Besondere bei der KonMari-Methode ist der achtsame Umgang zu den bestehenden Dingen. Sogar das Falten der Klamotten folgt einer bestimmten Ordnung. Mit viel Dankbarkeit soll man sich von den Dingen verabschieden, die einen begleitet haben, die dem Besitzer nun jedoch keine Freude mehr bereiten.

Es gibt viele Vorteile des Entrümpelns: Entrümpeln schafft mehr Platz. Es sollen aber keine neue Dinge gekauft werden, um den neu geschaffenen Platz im Schrank zu befüllen, sondern die neue Ordnung soll eine Übersicht über die Dinge geben, die man besitzt. Wer seine Besitztümer besser kennt, wird diese noch mehr wertschätzen, sorgsamer und liebevoller mit ihnen umgehen. Das Ausmisten hat positive Effekte auf unseren Geist: Das Unwesentliche in einem Raum lenkt uns nicht mehr ab und somit rücken wertvolle Gegenstände in den Fokus. Dabei können wir gleichzeitig unsere Gedanken ordnen. Da wir vorher überlegen, was wir aussortieren möchten, können wir am Ende besser zwischen „Unwichtigem“ und „Wichtigem“ unterscheiden bzw. zwischen dem, was wir „wollen“. Dies sollte idealerweise ein bewussteres und nachhaltiges Konsumverhalten erzeugen.

Oftmals horten wir Dinge, die uns an Negatives erinnern. Sie zu entsorgen, kann uns von unserem Ballast lösen. Zudem kann es sehr wohltuend sein, Dinge loszulassen, die man nicht mehr benötigt, um sie an Menschen weiterzugeben, die daran noch einen Nutzen finden. Dabei tut man zusätzlich etwas Gutes. Außerdem entdeckt man beim Ausmisten defekte Gegenstände, die repariert werden können. Zeit, sich damit zu beschäftigen und es selbst wieder in Gang zu bringen, wäre im Sinne der Nachhaltigkeit eine zusätzliche gute Tat.



Bewusster Konsum durch eine geschaffene Ordnung?

Wir leben in einer Überflussgesellschaft, welche stark von Konsum, Leistung und Besitz getrieben ist. Denn heute gibt es nichts, was wir nicht besitzen. Mit unserem Konsum vergessen wir die damit einhergehenden Auswirkungen auf unsere Umwelt und das Klima. Unser Überkonsum führt nicht zwangsläufig zum Glück: Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech schmälert er sogar unsere Lebensqualität. Denn das Übermaß an Konsumgütern hat schnell sein Maximum an Glücksgefühlen und Nutzen erreicht. Außerdem wird kostbare Zeit für das Konsumieren benötigt, die jedoch begrenzt ist und erst darauf angewendet werden muss, damit eine glückstiftende Wirkung aus dem Konsum hervorgeht.

Oftmals vergessen wir, welche Schätze in unseren Schubladen und Schränken versteckt sind. Von einigen Sachen besitzen wir sogar mehrere Versionen. Und viele von uns haben verlernt, sich mit dem Bestehenden zufrieden zu geben. Nicht nur das: Wir sind auch noch ungeduldig geworden und können es nicht abwarten, neue Dinge zu besitzen. Dabei ist es nicht so schwer, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Es geht nicht immer um das „Haben“, sondern darum, wer wir „sein“ möchten.

Bei Kondos radikalem Ansatz Auszumisten, geht es darum, bewusster zu konsumieren. Der Mensch soll erkennen, über wie viele Besitztümer er verfügt und wie viel er wirklich zum Leben benötigt. Wichtig ist es, sich selbst und seinen Konsum zu reflektieren und den Fragen auf den Grund zu gehen: Mit welchen Dingen möchte ich mich umgeben? Was ist mir wirklich wichtig? Und was benötige ich zum Glücklich-Sein?

Fakt ist: Je weniger man hat, desto mehr Überblick schafft man sich über das, was man besitzt. Wir müssen nicht jedem neu geschaffenem Trend hinterherlaufen. Es geht darum, nicht ständig von neuen Begierden getrieben zu werden. Anstatt immer etwas Neues einzufordern, heißt nachhaltiger Konsum, bewusst auch mal auf etwas verzichten zu können und sich dabei an dem Existierenden zu erfreuen. Denn für ein ökologisch verantwortbares Leben können wir eigene Bedürfnisse befriedigen, ohne dafür konsumieren zu müssen.