Die Schönheit des Moments

Geschrieben am 12.02.2021
von Giulia Santonocito


Alle Fotos: f1rstlife / Giulia Santonocito

Ein Augenblick, so kostbar und vergänglich zugleich. Gewässer stellen ein Sinnbild für dieses Gefühl dar. Sie lassen uns den Moment mit allen Sinnen wahrnehmen und können somit eine optimale Hilfe zu mehr Achtsamkeit sein.

Gassi gehen ist fester Bestandteil meines Tagesablaufs. Dabei komme ich ein wenig raus nicht nur  aus dem Haus, sondern auch raus aus der Stadt. Ab in die Natur, da kann der Hund frei toben und ich meine Mittagspause genießen.



Am liebsten gehe ich an Stellen mit fließendem Wasser vorbei.  Erstens kann mein Vierbeiner da trinken und zweitens kann ich dem Fluss zuschauen. Das ewige Plätschern und leichte Glitzern in der Sonne entspannen  mich. Mit dem Lauf des Wassers können auch meine Gedanken mitziehen und weichen  einem Gefühl von Ruhe. Besonders schön ist es im Sommer, wenn man ein bisschen am Ufer waten kann und der Fluss sich einen Weg um die Knöchel bahnt.

Das kühle Nass bietet dann einen angenehmen Kontrast zu der warmen Sommerluft. Während sich die Strömung den Weg immer weiter nach unten bahnt, ist der Weg über den Untergrund jedoch nie langweilig zu betrachten. Es werden Umwege um Steine genommen. Am Ufer entstehen Verwirbelungen, die sich endlos weiterdrehen und fast eine hypnotisierende Wirkung haben. „Immer weiter, immer weiter“, höre ich das Plätschern sagen – und doch scheint die Zeit stehen zu bleiben für diesen Moment.



Morgens früh aufstehen, nur um in den Spiegel zu sehen. Das ist ungewöhnlich, aber es kann sich lohnen. Ein absolut stiller See am Morgen. Die Wirkung ist unbeschreiblich, wenn die Welt Kopf steht. Ja, ich werde von beiden Sonnen geblendet, aber dieses traumhafte Bild ist es wert. Ewig könnte ich dastehen und mich verzaubern lassen. Die ruhige Oberfläche wirkt als Spiegel für die Realität. Und dieser Spiegel ist genauso vergänglich wie der Moment selbst. Ein störendes Element reicht.

Ein unachtsam angestoßener Stein, der ins Wasser rollt und das Bild zerstört. So schön ein Augenblick auch sein kann, ist man nicht achtsam, so ist er vorbei. Auch bei aufkommendem Wind verschwindet das Bild. Äußere Faktoren können dem Augenblick ebenfalls schnell ein Ende setzen und uns in den Alltag zurückkatapultieren. Umso wichtiger ist es dann, das Gefühl zu bewahren und sich trotzdem immer wieder bewusst auf die Schönheit eines Moments einzulassen.


Endlose Weite

Das Meer als Bild der Sehnsucht. Am Horizont steht eine klare Linie. Sie bildet das Ende dessen, was unser Auge erfassen kann. Auch, wenn es noch viel weiter geht. Über das Wasser führt der Weg hin zu Unbekanntem. Das Rauschen und Schlagen der Wellen erzählt Geschichten von Abenteuern. Hoffnungsvolle Aufbrüche, so wie wir uns sie gerade auch wünschen.



Ein Bild vom Meer steht für das Erleben mit allen Sinnen. Leises Plätschern bis hin zum lauten Donnern der Fluten. Salzige Luft, Sand unter den Füßen, der Sog des Wassers und ein leichtes Brennen in den Augen. Richtig durchatmen können. Egal ob Nord- oder Ostsee, ob feiner Sand unter mediterraner Sonne oder die wilde Atlantikküste. Es ist ein Gefühl von Urlaub, wenn wir uns das Meer vor unserem inneren Auge verbildlichen. Einen Augenblick zur Ruhe kommen, abschalten, mit allen Sinnen genießen. Einen Moment auf Traumreise gehen, der Sehnsucht nachgeben. Er fordert die Erinnerung heraus und lässt uns einen Ort erleben, der uns wegführt von Corona, Stress und Druck.

Wenn ich beim Gassi eine kurze Pause am Fluss mache, dann ziehen meine Gedanken mit dem Wasserlauf mit. Sie plätschern dahin und lassen mich ganz im Moment sein. Dann spaziere ich zurück und kann ein wenig von diesem Augenblick der inneren Ruhe mit nach Hause nehmen. Auch wenn jeder Moment vergänglich ist, nie wieder so zu uns zurückkommt. So kann man doch das Gefühl des Erlebten mit sich tragen und sich auch im Alltag eine Auszeit gönnen, indem man zurückreist an diesen Ort und die Schönheit des Moments genießt.