Warum rufen wir „Helau“?

Geschrieben am 15.02.2021
von Lucas Blasius

Ob Mainz, Trier oder Düsseldorf – zur Fastnachtszeit hört man es fast überall: das Helau. Aber warum heißt es eigentlich „Helau“? Und stammen davon auch die vielen einzigartigen Rufe an Rhein und Mosel ab, die so ähnlich klingen? Ein Streifzug durch die Traditionen.



Bei der Mainzer Ranzengarde erklingt ein kräftiges „Helau“. (Quelle: Wikimedia Commons)

Das Problem beginnt bereits bei der historischen Herleitung. Woher das Helau stammt, kann nämlich niemand sicher sagen – es gibt keine handfesten Beweise. Aufzeichnungen, Listen oder Dokumentationen existieren nicht. Mythen kursieren jedoch allerhand: Zum Beispiel soll das Helau den Wunsch ausdrücken, dass die germanische Göttin Hel die Tore der Unterwelt aufmachen und die Geister des Winters wieder aufnehmen soll: Hel auf!

Einen historisch jedoch viel wahrscheinlicheren Ansatz hat Peter Krawietz, Vizepräsident des Bunds Deutscher Karneval: „Man hätte die starke Tendenz zu sagen: Ach, das ist eine Kurzform von Halleluja. Aber die Wissenschaft will da nicht ganz mit. Es ist ein Ruf, ein Hallo, der natürlich auch viele Varianten erfahren hat im Laufe der Zeit.“ So zum Beispiel Halau, Hella oder Helaudi.



Das „Halaudi“ des Trierer Karnevalsvereins Heuschreck 1848 e.V. ist völlig einmalig. (Quelle: heuschreck.de)


Anders ist es womöglich bei dem „Halaudi“

Es ist ein deutschlandweit, vielleicht sogar weltweit einzigartiger Ruf, der bei der Trierer Karnevalsgesellschaft Heuschreck erklingt. Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Irrglauben ist das Halaudi wohl nicht nur ein Helau in Dialekt.

Die Historikerin und Kommunalpolitikerin Jutta Albrecht hat sich jahrelang mit der Geschichte des Heuschrecks beschäftigt. Für sie stammt das Halaudi von einem Schifferruf aus der Zeit um 1900: „Und zwar sollen also die Leute hier in Trier, die in Zurlauben am Ufer gestanden haben und auf die andere Moselseite nach Pallien übersetzen wollten, dem Fährmann zugerufen haben: Ailauti! Und das hieß in früheren Zeiten dann: Komm mal her! Hol mich hier rüber! Hallo!“

Dieser damals sehr geläufige Ruf hat sich dann nach und nach im Karneval des Heuschrecks, Triers ältestem Karnevalsverein, eingebürgert: „Es ist ja so, dass die einfachen Leute sich im Karneval beteiligt haben. Sie haben ihre Gewohnheiten miteingebracht. So ist auch ihre Sprache in den Karneval gekommen.“ Dass das „Halaudi“ dabei einmalig geblieben ist, verdankt der Heuschreck wohl teils dem Zufall und teils der Entstehungszeit des Rufs, zu der es noch nicht allzu viele Karnevalsgesellschaften gab.



Das Kölner „Alaaf“ hat viele Bedeutungen: Hell auf, alle zur Seite oder Köln über alles.
(Quelle: Wikimedia Commons)


Doch es geht auch einfacher

Der Narrenruf aus Kenn bei Trier ist ebenfalls einmalig, obwohl es ihn erst seit 1979 gibt. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlachtrufen bietet das „Kenn Radau“ nämlich keine lange sprachliche Entwicklung: „Verschiedene Gründungsmitglieder haben 1979 verschiedene Schlachtrufe zur Auswahl gehabt und wir wollten uns ein bisschen absetzen von dem herkömmlichen Helau. „Kenn Radau“ hat den Gründungsmitgliedern am besten gefallen und so wurde es einfach ausgesucht“, erklärt Martina Junk, Sitzungspräsidentin des Karnevalclubs Kenn.


Fazit

Die Vielfalt der Narrenrufe in Deutschland ist groß und kennt über das Helau hinaus auch andere, weit verbreitete Formen wie „Alaaf“, „Ahoi“, „Alleh hop“ oder „Aloha“. Dazu gibt es ungezählte regionale Rufe, teils sprachliche Abwandlungen bekannter Rufe, teils zurückzuführen auf regionale Orte, Personen oder Geschehnisse.

Vor dem Besuch der nächsten Karnevalssitzung oder des nächsten Umzugs sollte man also lieber zur Sicherheit erst einmal zu fragen, wie denn dort überhaupt gerufen wird.