Syrien: „Sanktionen stürzen Menschen ins Elend“

Geschrieben am 20.02.2021
von Benedikt Bögle

In Syrien bedrohen westliche Sanktionen die Lebensgrundlage zahlreicher Menschen. An Stelle des Assad-Regimes wird die Zivilbevölkerung getroffen, wie ein Erzbischof und eine Ordensschwester dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ berichten.



© Kirche in Not

Nachdem vor zehn Jahren in Syrien Krieg ausbrach, verhängten westliche Staaten Sanktionen gegen Syrien. Ziel sollte es sein, das Assad-Regime durch diese Sanktionen zu schwächen und damit dem Bürgerkrieg ein Ende zu setzen. Dieses Ziel wird allerdings verfehlt, wie der griechisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clément Jeanbart, in einem Interview mit dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtet: „Die Sanktionen des Westens werden weiterhin keine Auswirkungen auf die Regierung haben. Sie ist von den Folgen wenig betroffen“, sagt der Erzbischof.



Mangel an Nötigstem

Während die Regierung von den Sanktionen kaum betroffen ist, muss die syrische Bevölkerung leiden: Lebensmittel, Strom, Gas und Heizöl werden knapp. „Die Sanktionen haben keine andere Folge, als die Menschen weiter in Leid und Elend zu stürzen“, sagt Erzbischof Jean-Clément Jeanbart. Das kann auch Schwester Maria Lucia Ferreira bestätigen. Sie ist Ordensfrau, gehört zur Kongregation der „Schwestern der Einheit“ und lebt nahe an der Grenze zum Libanon. „Die Situation wird immer schlimmer, die Menschen sind kurz vor dem Hungertod, einige sind bereits gestorben“, sagte die Ordensfrau dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Hilfswerk für verfolgte und bedrängte Christen

„Kirche in Not“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um Heimatvertriebenen in Deutschland zu helfen. Mittlerweile unterstützt das Hilfswerk verfolgte und bedrängte Christen auf der ganzen Welt: In Nigeria hilft es verfolgten Christen, im Libanon finanziert es Aufbauarbeiten nach der Explosion von Beirut, auch in Mosambik oder in der Ukraine unterstützt es bedrängte Christen.


Leid durch Corona-Krise

Auch in Syrien engagiert sich „Kirche in Not“. Seit dem Ausbruch des Krieges unterstützt es die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten, Zuschüssen für Miete und Heizungskosten, Ausbildungshilfen für Schüler und Studenten. Das Leid ist durch die Corona-Krise dabei noch weiter gestiegen. Gerade bedürftige Menschen brauchen nun auch Hygieneartikel, um sich vor dem Virus zu schützen.



© Kirche in Not

Drohender Hungertod

Die Hilfe von „Kirche in Not“ ist in Syrien dringend nötig. „Alles wird immer teurer. Es ist schwer zu überleben“, sagt Schwester Maria Lucia Ferreira. „Die Leute stehen Schlange, um Benzin oder Heizöl zu kaufen und gehen oft leer aus. Brennstoff ist sehr rar, weil es hier in der Region wenig Holz gibt. Manchmal haben wir zwölf Stunden lang keinen Strom – und wenn er kommt, dann oft nur für eine halbe Stunde.“ Manche Menschen stünden kurz vor dem Hungertod, sagt die Schwester. „Einige sind bereits gestorben.“

Hoffnung auf Frieden

Erzbischof Jeanbart ruft die westlichen Staaten daher auf, ihre Sanktionen zu beenden. Stattdessen sollten sie mit Assad in Verhandlungen eintreten. „Es muss einen fairen Dialog geben. Der Westen kann Druck in der Weise ausüben, dass sich die Regierung bereit erklärt, einen Weg zum Frieden einzuschlagen und manche ihrer Verhaltensweisen aufzugeben.“