Wissenswertes zur Kurzarbeit während der Pandemie

Geschrieben am 20.03.2021
von Ehemaliger Autor

Die Coronapandemie und der damit verbundene Lockdown haben viele Unternehmen dazu gezwungen, ihre Arbeit teilweise oder ganz einzustellen. Für viele Firmen bietet sich die Chance Kurzarbeit zu beantragen, um ihre Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen und die Krise zu überstehen. Schon kurz nach Ausbruch von Covid 19 hat die Gesetzgebung reagiert und den Zugang zu Kurzarbeitergeld erleichtert, sowie deren Laufzeiten verlängert. Außerdem wurde das Kurzarbeitergeld gestaffelt erhöht und die Fristen verlängert.



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Antrag auf Kurzarbeit

Im Zusammenhang mit dem Antrag stellen sich die Fragen, wann kann Kurzarbeitergeld beantragt werden, wie muss dies beantragt werden und wie wirken sich die Veränderungen aus. Als Grund für den Antrag auf Kurzarbeit gelten wirtschaftliche Gründe oder unabwendbare Ereignisse. Letzteres trifft für die Unternehmen aus Gastronomie und Tourismusbranche aber auch Handelsunternehmen zu, die aufgrund der Vorschriften zum Schließen gezwungen worden waren. Doch auch die Wirtschaftlichkeit hat in vielen Firmen Einbußen erlebt, weil Lieferungen verspätet oder gar nicht eingetroffen sind oder Zulieferbetriebe von Schließungen bedroht waren. Infektionsfälle in der Belegschaft haben zu Mitarbeiterausfällen durch Erkrankung und Quarantäne geführt, so dass der Betrieb in manchen Bereichen gar nicht aufrechterhalten werden konnte (Schlachthöfe z.B.).

Diese Gründe müssen der zuständigen Agentur für Arbeit dargelegt werden, die darüber entscheidet, ob diese für die Gewährung von Kurzarbeitergeld zutreffen. Die Anträge müssen vom Unternehmen gestellt werden. Es sind Einzel- und Sammelanträge möglich, je nachdem wie viele Mitarbeiter dies betrifft und welche Gründe vorliegen. Wirtschaftszweige die nicht betroffen waren, mussten teilweise ihre Produktion drosseln, weil Rohstoffe oder Fertigungsteile fehlten. Hier wurde die Arbeitszeit gemindert, in anderen Fällen, wurden Firmen komplett geschlossen (Friseure, Restaurants und Fitnessstudios). Der Gesetzestext drückt dies mit der Phrase aus, dass die üblichen Arbeitszeiten temporär wesentlich verringert sind. Trotz allem können einige Branchen nicht vom Kurzarbeitergeld profitieren und müssen auf andere Hilfen teilweise lange warten.

Kurzarbeit soll helfen, Kündigungen zu vermeiden und Unternehmen vor Insolvenzen bewahren. Die Wirksamkeit von Kurzarbeitergeld wurde zwar schon oft unter Beweis gestellt, doch die Pandemie ist eine ganz neue Herausforderung, weil sie unkalkulierbar ist, was Verlauf und Dauer angeht. Daher gibt es seit Herbst 2020 auch einige Änderungen und Erleichterungen.

Welche Erleichterungen traten in Kraft?

Grundsätzlich gilt die alte Verordnung in allen Punkten, die nicht von Veränderungen betroffen waren, weiter. Verändert wurde die Quote der Beschäftigten in einem Unternehmen, die von Arbeitsausfall betroffen ist. Sie wurde von über 30 % auf 10 gesenkt. Bei der Arbeitszeit wurde in den neuen Verordnungen teilweise oder ganz darauf verzichtet, negative Zeitsalden aufzubauen. Zudem wurde Kurzarbeitergeld auch für Leiharbeitnehmer geschaffen. Den Unternehmen werden die Sozialversicherungsbeiträge für ihre Arbeitnehmer vollständig erstattet.
Diese Erleichterungen gelten für Unternehmen die bis zum 31.3.2021 Kurzarbeit angemeldet haben und sind zeitlich befristet bis Ende 2021.

Besonderheiten bei der Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge

Die vollständige Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge wird ab Juli 2021 nur noch gewährt, wenn die Kurzarbeit mit Qualifizierungsmaßnahmen verbunden wird. Ansonsten werden nur noch 50 % erstattet, wenn das Unternehmen bis 30.6. Kurzarbeit eingeführt hat. Mit dieser Bedingung möchte die Gesetzgebung den Fachkräftemangel bekämpfen und den Anreiz, die Zeit der Kurzarbeit für eine berufliche Qualifizierung zu nutzen, erhöhen.

Kurzarbeitergeld – Höhe, Staffelung und Zuverdienst

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes richtet sich nach den persönlichen Voraussetzungen des Empfängers. Für Unverheiratete ohne Kinder gibt es 60 % von der Nettoentgeltdifferenz. Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind kann es 67 % geben, wenn beide Partner unbeschränkt Einkommenssteuer zahlen müssen und nicht dauerhaft getrennt leben.

In der Zeit der Pandemie wird das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat auf 70 bzw. 77 % erhöht. Das soll vor allem Geringverdienern helfen, ihre Einkommensverluste etwas auszugleichen. Dauert die Kurzarbeit sogar noch länger an, wird ab dem siebten Monat auf 80 bzw. 87 % angepasst, sofern der Anspruch auf Kurzarbeit bis 31.3.2021 entstanden ist.

Einige Tarifverträge sehen eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf fast 100 % des Nettolohnes vor. Im Zuge der Pandemie haben hier viele Branchen schnell reagiert und entsprechende Tarifbeschlüsse gefasst. Einkommen aus geringfügigen Beschäftigungen, die unter der Kurzarbeit aufgenommen wurden, bleibt anrechnungsfrei (gilt bis 31.12.2021). Minijobber in Unternehmen haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Wie lange wird Kurzarbeitergeld maximal bezahlt und wie wirkt es sich auf die Steuer aus?

Die Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld wurde von 12 auf 24 Monate erhöht, sofern Unternehmen bis Ende letzten Jahres Kurzarbeit eingeführt haben. Allerdings endet diese Regelung am nach aktuellem Stand Ende 2021, was dann auch bedeutet, dass die Verlängerung nicht mehr greift.

Kurzarbeitergeld gilt als Lohnersatzleistung. Steuerlich unterliegt das Kurzarbeitergeld dem Progressionsvorbehalt. Es ist steuerfrei, kann aber zu einer Steuernachzahlung führen. Wie hoch die in etwa sein wird, kann im Internet ausgerechnet werden. Zudem sind Arbeitnehmer, die mehr als 410 Euro Kurarbeitergeld per Anno erhalten haben, verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

Für die Steuererklärung ist außerdem wichtig, dass die Anzahl der freigestellten Tage bei der Angabe der Arbeitswege berücksichtigt wird. Es sollte überprüft werden, ob Anschaffungen von Technik von der Steuer abgesetzt werden können, wenn sie für die Weiterbildung oder die Arbeit im Homeoffice genutzt wird. Fürs Homeoffice wurde steuerlich eine Pauschale eingeführt. Arbeitnehmer können gegen einen geringen Betrag (im Rahmen einer Mitgliedschaft dort) beim Lohnsteuerhilfeverein Unterstützung für die Steuererklärung bekommen. Dies ist meist deutlich günstiger als das Honorar eines Steuerberaters.

Wenn das Kurarbeitergeld nicht ausreicht?

Es gibt viele Arbeitnehmer die mit ihrem Geld gerade so über die Runden kommen. Die Einbußen in der Kurzarbeit, können nicht ausgeglichen werden und es drohen Probleme, die laufenden Kosten decken zu können. Dann hilft es, Wohngeld zu beantragen und ggf. bei der Arbeitsagentur anzufragen, welche soziale Unterstützung es noch geben kann. In den meisten größeren Orten gibt es Beratungsstellen von caritativen Trägern wie Diakonie, ASB oder DRK, die in Notsituationen mit guten Tipps helfen und vor allem auch die Möglichkeiten kennen, die Betroffene ausschöpfen können, um nicht am Ende mit Mietschulden dazustehen. Pandemiebedingt wird hier derzeit nur mit telefonisch vereinbarten Terminen gearbeitet oder auch auf Online- oder Telefonberatungen zurückgegriffen.

Was als Hartz IV bekannt ist, muss für jedes Familienmitglied einzeln beantragt werden. Möglicherweise steht Kindern hier Unterstützung zu, wenn die Eltern aufgrund von Kurzarbeit weniger Geld zur Verfügung haben. Um die Kurzarbeitszeit finanziell möglichst gut durchstehen zu können, sollten alle Anträge gestellt werden. Sie kosten nichts und können das Budget aufstocken.

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit einem externen Redakteur.