Heilung in der Spiritualität finden

Geschrieben am 05.07.2021
von Josephina Petersen

Ein jeder Mensch trägt seine Verletzungen und Wunden mit sich. Es ist sein „Päckchen“. Daraus resultieren sein Verhalten, sein Wesen und seine Charakterzüge. Manche schaffen es jedoch nicht, dieses Päckchen hinter sich zu lassen. Wie lassen sich tiefsitzende Verletzungen heilen?

Machen wir uns nichts vor: Niemand ist allein mit seinen Problemen, seinem Leiden oder allgemeinhin der Herausforderung, dieses Leben zu meistern. Ausnahmslos jeder Mensch hat ein „Päckchen“, welches er mit sich herumträgt. Bei dem einen ist es größer, bei anderen vielleicht kleiner. Aber jeder hat so seine wunden Stellen, Schmerzpunkte und Verletzungen, die er zu verbergen sucht. Manche Menschen haben das Glück und das „Päckchen“ reißt auf und wirft sie in eine emotionale Krise, vielleicht in Form von Depressionen. Andere behüten ihr Päckchen so sehr, dass es sie niemals tief berühren wird und eine Krise droht. Doch auch dieser Mensch ist sich in der Tiefe seines Selbst bewusst, dass da „was“ ist. Egal, wer von den beiden du bist, mit deinem „Päckchen“ bist du nicht allein!



Foto: Pixabay

Wirf einen Blick in dein „Päckchen“

Im Grunde ist es einfach, wenn du am Boden liegst und weder vor- noch zurückkannst. Die Depression dich so sehr gefangen hält, dass du nun entscheiden musst: Weitermachen oder dich ergeben. Leben oder sterben. Das Leben drückt dir diese Entscheidung nun auf. Ich nehme an, du bist nicht lebensmüde und beginnst genau in diesem Augenblick, dein Leben in die Hand zu nehmen. Also gehst du den Weg und fängst an, dein aufgerissenes oder geplatztes Päckchen zu begutachten. Da sind alte Verletzungen. Dinge, die dir angetan wurden, bei welchen du dich nicht wehren konntest. Andere jüngere Schmerzpunkte, wie ein Scheitern deinerseits, welches du dir nicht vergeben konntest. Oder etwas, was du anderen „angetan“ hast. Ein Sammelsurium an Gefühlen, wie Schuld, Scham, Ängste und Sorgen, sind in diesem „Päckchen“ zusammengetragen worden. Und dein Verhalten, das Interagieren mit anderen Menschen, ist rückführend auf die Enttäuschungen und Verletzungen, die du in deinem Leben gemacht hast. Daher plädiere ich dafür: Pack dein „Päckchen“ aus, begutachte all die darin enthaltenen Bausteine und lass´ los. Erst dann kannst du in die Heilung gehen.

Wie funktioniert Heilung?

Heilung ist ein Prozess. Eine zugezogene Wunde am Körper benötigt seine Zeit, bis diese sich schließt und der Ursprungszustand wiederhergestellt ist. Der Volksmund sagt so schön: „Die Zeit heilt alle Wunden“. Doch allein die Zeit heilt keine Wunden bei seelischen Verletzungen, die uns widerfahren sind. Der seelische Heilungsprozess beinhaltet, dass die verletzten Anteile integriert werden. Um seelische Verletzungen und Wunden zu heilen, bedarf es der Bewusstwerdung. Somit sind die Schritte zur Heilung: anschauen – erkennen – loslassen – heilen. Viele, auch ich, tun sich schwer beim Punkt des Loslassens, was verhindert, dass eine finale Heilung stattfinden kann. Wenn man erst erkannt hat, was einem da widerfahren ist, stellt man sich oft auch die Frage nach dem „Warum“?. Warum wurden mir diese Dinge angetan? Warum hat der Mensch so agiert, was stimmt denn nicht mit ihm / ihr? Ein „Warum“ wird dich niemals weiterbringen und auch nicht die Heilung deiner Verletzungen anstoßen. Es gibt Fragen, auf die gibt es keine Antworten. Deshalb solltest du diese Fragen, die dein Leid nur nähren, abgeben. An eine höhere Macht. An Gott. Das Universum.  Der Schlüssel zur Beendigung des Leidens und die Macht der Heilung liegt in der Spiritualität.

Die Spiritualität gibt mir Antworten?

Wenn dir bewusst wird, dass du ein Teil von allem bist und jeder Mensch Ähnliches durchmachen  musste wie du, dann fühlst du dich mit deinem Leid nicht allein. Es stärkt die Verbindung nach außen. Du bist nicht allein. Wir sind viele. Wie auch bei der #metoo-Debatte vor einigen Jahren. Ich möchte aber noch ermutigen, ein #lookbeyond hinzuzusetzen. Liegt vielleicht ein höherer Sinn hinter diesem Schicksal, das du trägst? Warum wird dem einen eine derartige Bürde auferlegt, anderen aber nicht? Warum wendet der Mensch sich erst in seiner größten Not an Gott? Vielleicht ja, weil es in ihm drin ist. Der Geist, unsere Seele, die genau weiß, welchen Ursprungs sie ist. Wir leben in einer Zeit der Bewusstwerdung und des Erwachens. Eckart Tolle spricht vom kränkbaren Ego, welches man ablegen muss, um ein erfülltes, zufriedenes Leben zu führen. Wenn es lediglich mein Ego ist, welches mich leiden lässt, was steckt denn dann noch dahinter?

Du bist ein spirituelles Wesen, welches sich erfahren will!

In der Dualität des Lebens ist sowas wie ein Ego, der Verstand, unabdingbar. In deiner ursprünglichen Erscheinung bist du, wie auch alle anderen, einfach nur Energie. Oder Licht. Eine Seele. Wie auch immer du es betiteln möchtest, spirituell gesehen, bist du mehr als deine irdische Gestalt und dein irdisches Leben. Wie Hermann Hesse schon in seinem Gedicht „Das Leben, das ich selbst gewählt“ wunderschön versinnbildlicht: Du hast dich entschieden, dieses Leben zu erfahren. Wenn du dich also für den Gedanken öffnen kannst, dass dein Lebensweg durchaus einen Sinn hat und du spirituell geführt wurdest, dann wird das dir zugefügte Leid leichter. Es wird relativiert.  Vielleicht bist du aber auch der Schlüssel zur Heilung all deiner Seelenpartner, die du hier auf Erden getroffen hast oder noch treffen wirst. Denn du bist mehr als ein Mensch, du bist eine Seele und somit ein Teil des göttlichen Universums.