Mobbing: Das steckt dahinter

Geschrieben am 14.07.2021
von Jasmin Bauch

Mobbing ist ein Thema, das uns alle betrifft, denn entweder sind wir Opfer, Täter:innen, Mitläufer:innen oder Einschreiter:innen. Das Wort „Mobbing“ kennen fast alle, aber was genau dazu zählt, wissen eher wenige. Unsere Autorin Jasmin geht dem Phänomen auf den Grund.



© Pixabay

Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass sie gemobbt wurden, weil ihnen mal ein Stift weggenommen wurde. Andere verstehen unter „Mobbing“ eine dauerhafte Gewaltanwendung gegen eine bestimmte Person.

Was versteht man nun unter „Mobbing“?

„Der Begriff „Mobbing“ wird von Kindern und Jugendlichen, selbst bei Eltern schnell verwendet, wenn es um das Ärgern von Mitschülern geht, wenn Konfliktsituationen oder Meinungsverschiedenheiten anstehen“, so Nancy, Schulsozialarbeiterin an meiner ehemaligen Schule. Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen Gleichaltrigen sind bis zu einem gewissen Grad normal und dienen der Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit. Kinder und Jugendliche lernen dadurch, sich in Gruppen angemessen zu verhalten und ihren Standpunkt zu finden. Außerdem verbessern sie dabei ihre sozialen Fähigkeiten. „Mobbing“ im eigentlichen Sinn ist ein unkontrolliert ausartendes soziales Gruppenphänomen. Per Definition ist es ein über einen längeren Zeitraum anhaltender Zustand, der von Erniedrigungen, Beleidigungen, Schikanen, verbalen oder körperlichen Angriffen und Ausgrenzung gekennzeichnet ist.

Ein typisches Beispiel: Paul interessiert sich nicht für Mädchen oder Fußball. Lieber löst er zu Hause allein knifflige Mathe-Sachaufgaben und vergisst dabei gerne mal das Essen. Anfangs fiel es niemanden auf. Doch mittlerweile ist er sehr dünn geworden und der Einzige, der immer alles weiß, sogar in Mathe! Tom beginnt, ihn damit aufzuziehen (wohl aus Neid, dass er die Aufgaben nicht versteht) und andere steigen mit verbalen Attacken ein: „Na du Mathe-Lauch, der Unterrichtsstoff scheint dich nicht so gut zu ernähren!“ Die anfänglichen Sprüche häufen und verstärken sich, sodass sich Paul kaum noch in die Schule traut. Nachdem sich gefühlt, die ganze Klasse geäußert hat, dass er unerwünscht ist und er seine Sachen mal wieder vom Boden zusammensuchen muss, tritt Tom ihn um. Paul beschließt, sich zu Hause in seinem Zimmer einzuschließen und nie wieder unter Menschen zu gehen…

Die handelnden Personen

Oft sind sich die „Täter“ nicht bewusst, welche Folgen ihre Handlungen haben. „Opfer“ leiden manchmal jahrelang und versuchen mit wechselnden Strategien, wie zum Beispiel Ignoranz, Ertragen oder Schulverweigerung, sich aus ihrer Rolle zu befreien. „Mobbing“ ist dabei oft eine Sache der Perspektive der Akteure. Während einige Beteiligte ihr Handeln als eine Form von „Spaß machen“ sehen, sind für andere die Grenzen zu Psychoterror und massiver Gewalt längst überschritten.

Während sich der „Täter“, wie Tom aus unserem Beispiel, und der „Mitläufer“, zum Beispiel die Mitschüler/innen aus Toms Klasse, einerseits in ihren Rollen gefallen oder durch ihr tatenloses Dulden aus der Verantwortung stehlen und andererseits ihren sozialen Status nicht gefährden wollen, leiden die „Opfer“, wie Paul aus der oben beschriebenen Situation, massiv darunter.

Die Rolle des Internets

Durch den Einsatz von Internet und Smartphones bekommen Mobbingsituationen ein viel größeres Ausmaß , als es ohne digitale Medien möglich gewesen wäre. Die schnelle Verbreitung über Social Media oder auch Messenger und die prinzipiell lebenslange Dokumentation des Mobbings in gespeicherten Nachrichten durch Fotos, Videos sowie Internetforen lassen kaum noch Schutzräume für Rückzugsmöglichkeiten. Im Mobbingfall ist ein Eingreifen von außen oft der einzige Weg, um das „Opfer“ zu schützen. Das soziale Verhalten der Gruppe muss sich ändern, was von allein nicht geschehen wird.

Tipps zum Umgang mit Mobbing

Der Angegriffene

Hol dir Hilfe! Lass das Mobbing nicht auf dir ruhen, denn von allein wird es nicht besser werden. Vertraue dich deinen Freunden an. Sie können dich unterstützen. Wenn du denkst, dass auch deine Freunde dein Problem nicht sehen, dann wende dich an eine Vertrauensperson oder an eine:n Sozialarbeiter:in.

Mitläufer:innen

Hier kann man zwischen „aktiven“ und „passiven“ Personen unterscheiden. Aktive Mitläufer:innen beteiligen sich an dem Mobbing, aber sehen sich nicht als Haupttäter:in. „Passiv“ zu handeln, bedeutet, dass man zwar niemanden aktivmobbt, aber auch nichts dagegen tut und es damit duldet. In beiden Fällen sollte man sein eigenes Verhalten hinterfragen und den ersten Schritt in die andere Richtung einschlagen. Mache deinen Mund auf und sprich an, dass Mobbing nicht geduldet werden darf! Verschließe deine Augen nicht vor Mobbing, sondern mache darauf aufmerksam! Du wirst sehen, daraufhin werden sich dir mehrere Personen anschließen und du kannst dem Angegriffenem helfen. Der erste Schritt ist der Schwierigste und viele trauen sich nicht, ihn zu machen. Wenn dieser Schritt gegangen wurde, dann trauen sich auch viele andere und als Gruppe seid ihr stark genug, um gegen das Mobbing anzukämpfen.

Täter:innen

Hinterfrage dein Handeln! Letztendlich gibt es keinen Grund, andere Menschen psychisch oder gar physisch fertigzumachen. Probleme lassen sich oftmals durch Kommunikation regeln oder man kann sich Hilfe von Außenstehenden holen. Du bist nicht uncool, wenn du nicht mehr die oder der „Anführer“ bist und zeigst, wer zu deiner Gruppe gehören darf oder nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn du jetzt die Kurve kriegst und das Mobbing durch sachliche Kommunikation und eine Entschuldigung beendest, dann zeigt das deine wahre Größe und stärkt deine Persönlichkeit.

Sich gemeinsam der Situation zu stellen und die Probleme zu kommunizieren, ist die beste Lösung, um Mobbing zu begegnen. Man muss nicht jede:n nett finden, aber jede:r hat einen respektvollen Umgang verdient.