Wie ernst meint es die katholische Kirche mit Nachhaltigkeit?

Geschrieben am 11.12.2021
von Benedikt Bögle

Auch die katholische Kirche setzt sich für Umweltschutz ein. Vor allem Papst Franziskus forderte die Menschheit in seiner Enzyklika „Laudato si´“ dazu auf, das „gemeinsame Haus“ der Schöpfung zu achten – ein Ansatzpunkt, der sich bereits in der Bibel findet.



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Umweltschutz als Aufgabe der Kirche

2015 veröffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika „Laudato si`“ (LS). Sie beschäftigte sich – wie der Untertitel verrät – mit der „Sorge für das gemeinsame Haus“. Mit diesem Lehrschreiben, das sich mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt, rückte der Papst ökologische Themen in den Fokus der Kirche. Seither haben sich viele Gemeinden und Bistümer mit dem Thema beschäftigt und erkannt, dass sich schon aus dem Glauben der Kirche eine Verpflichtung zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit ergibt. Das beginnt schon mit der Bibel.

Für die Bibel ist es der Anfang von allem: Auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift wird von der Erschaffung der Welt erzählt. Zwei Schöpfungsgeschichten kennt die Bibel – beide setzen Schwerpunkte für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Der erste Schöpfungsbericht (Genesis 1,1-2,3) berichtet, dass Gott in sieben Tagen die Welt erschaffen hat. Er beginnt mit der Trennung von Himmel und Erde, schafft das Meer und die Kontinente, Fische, Vögel und Landtiere.

Am Ende aber steht der Mensch: „Lasst uns Menschen machen als unser Bild, und ähnlich!“ (Genesis 1,27). Gott blickt auf sein Werk und stellt fest: „Und siehe, es war sehr gut.“ (Genesis 1,31). Der zweite Schöpfungsbericht (Genesis 2,4-24) setzt sodann die Erschaffung des Menschen schon voraus. Er lebt im Garten Eden, umgeben von Tieren – und ist doch allein; ihm fehlt eine ihm ebenbürtige Gesellschaft. Da erschafft Gott einen zweiten Menschen: Eva.

Die Welt als Garten

Beide Schöpfungsberichte unterstreichen: Die Welt ist von Gott geschaffen. Damit ist die ganze Schöpfung – vom Menschen über die Tiere bis hin zu den Elementen – vom guten Gott gewollt; die Schöpfung hat damit einen hohen Wert. Sie ist das Ergebnis des Willens Gottes. In dieser Schöpfung hat der Mensch eine besondere Rolle. Das unterstreicht vor allem die Tatsache, dass die ersten Menschen in einem Garten wohnten.

Dabei kommen zwei wichtige Elemente zusammen: Ein Garten ist immer Ergebnis menschlicher Kultivierung. Der Mensch plant und pflanzt, hegt und pflegt, lässt wachsen und kann am Ende ernten. Der Garten ist eben nicht reine Wildnis oder Urwald. Gleichzeitig aber ist der Garten nicht nur Ergebnis menschlicher Planungsleistung – wie etwa eine Stadt oder eine Straße. Ohne die Natur, ohne Sonne und Wasser, kann der Mensch bei aller Planung keinen Garten anlegen. Die Aufgabe des Menschen ist es also durchaus, diese Welt zu kultivieren – aber eben nicht gegen die Natur, sondern im Einklang mit ihr.

Die Erde als Mülldeponie

Diese positive Einstellung zur Natur greift Papst Franziskus auf. Im Anschluss an den heiligen Franz von Assisi, dessen Gedicht „Laudato si`“ namensgebend für die Enzyklika war, stellt Franziskus fest, „dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt.“ (LS 1)

Umso schwerer wiegen die Schäden, die der Mensch seiner Umwelt zufügt: Luftverschmutzung, Vermüllung der Umwelt, zu hoher Co2-Ausstoß, Abholzung der Wälder, Raubbau an den Ressourcen der Erde. „Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln. An vielen Orten des Planeten trauern die alten Menschen den Landschaften anderer Zeiten nach, die jetzt von Abfällen überschwemmt werden“, schreibt der Papst (LS 21).

Das System ist in Gefahr

All das sind für den Papst nicht hinzunehmende Umstände. Der Mensch muss aufhören, mit der Natur wie ein Räuber umzugehen – und sie wieder als das „gemeinsame Haus“ sehen, in dem alle Arten aufeinander abgestimmt sind. Papst Franziskus beschreibt die Natur als ein ausgewogenes System, das durch den Menschen ins Ungleichgewicht gebracht wurde: „Wie jeder Organismus in sich selbst gut und bewundernswert ist, weil er eine Schöpfung Gottes ist, so gilt das Gleiche für das harmonische Miteinander verschiedener Organismen in einem bestimmten Raum, das als System funktioniert.“ (LS 140) Der Mensch hat aufgrund des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts so viel Macht wie nie – und kann sie zum Guten, aber auch zum Bösen einsetzen.

Papst Franziskus hat mit „Laudato si´“ ein flammendes Plädoyer für mehr Umweltschutz geschaffen – ein Plädoyer, dem die Kirche an vielen Stellen schon folgt. So konnte etwa das Erzbistum Köln besondere Umweltschutzprojekte im Rahmen der Kirche auszeichnen. Dabei ist der Ansatz des Papstes nicht ganz neu: Schon die Bibel stellt die Welt als gute Schöpfung des guten Gottes dar – sie zu bewahren, ist Aufgabe des Menschen.