„Böllern ist ein Relikt der Vergangenheit“ – Ein Kommentar

Geschrieben am 30.12.2021
von Giulia Santonocito

Bis zum Jahreswechsel 2019/20 war es in Deutschland normal: Kurz vor Silvester gaben Menschen viel Geld für Raketen und Co. aus. Geld das buchstäblich in die Luft geworfen wurde. Normal waren auch die Sirenen der Krankenwagen und die übelasteten Notaufnahmen. Das ist nun vorbei. Und das ist gut so.



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Zu Sylvester galt es, in den Krankenhäusern Brandwunden zu behandeln, Finger anzunähen, verlorenes Sehvermögen wiederherzustellen. Dieser Wahnsinn war alljährlich normal. Die Opfer wollten meist nur ein wenig Spaß, die Narben hingegen waren noch Jahre später zu sehen und wer sich schonmal verbrannt hat, weiß wie furchtbar solche Schmerzen sind. Sicher hast auch du schonmal Horrorgeschichten von Bekannten gehört, hoffentlich noch nie miterlebt. Die Silvesternacht galt als eine der gefährlichsten Nächte des Jahres. Gekümmert hat das aber nur selten, schließlich hatten die Opfer meist selbst Schuld und hatten getrunken, so die öffentliche Meinung. Dass ein Unfall Leben zerstörte, war nicht pressewürdig. Ein zerstörtes Leben unter vielen, es war eben normal.

Silvester verbieten?

Mit meiner böllerkritischen Meinung stehe ich manchmal allein da. Soll Feuerwerk, das Event an Silvester, verboten werden? Ich finde nicht. Wer schonmal im Ausland gefeiert hat, der konnte erleben, wie schön es ist, ein professionelles Feierwerk zu sehen. Statt der vereinzelten Lichter am Himmel, erlebte ich wahre Spektakel, ganz ohne Verletzungsrisiko und „weggeschmissenem“ Geld. Auch der Müll, der zuhause am 1. Januar die Straßen bedeckte, existierte dort nicht. Am Beeindruckendsten war für mich die Feier in Sydney.



© f1rstlife / Giulia Santonocito

Das Feuerwerk am Hafen ist nicht ohne Grund weltberühmt. Es war im wahren Sinne des Wortes die ganze Stadt draußen und versammelte sich an allen Plätzen, die einen guten Blick auf die Sydney Harbour Bridge garantierten. Natürlich war Sommer, sodass wir ohne Probleme picknicken konnten, während wir warteten. Dabei lernte ich wie von selbst einige Menschen kennen. Die Stimmung war gelöst, es feierte nicht jede Gruppe für sich, sondern alle miteinander.

Mehr miteinander wagen

Dieses Jahr ist nach wie vor Social-Distancing angesagt, was mit starken Einschränkungen bezüglich des Böllerns einhergeht. Das ist nicht nur für das Pflege- und Ärztepersonal wichtig, das auch ohne unnötige Verletzungen schon genug zu tun hat. Auch den Geldbeutel wird dies freuen, genauso wie die vielen Tiere, die sich sonst vor Angst unter dem Sofa versteckten oder draußen auf der Weide in völlige Panik ausbrachen. Silvester gemeinsam bei einem organisierten Feuerwerk feiern, ganz ohne Verletzte und für Tierbesitzer planbar an bestimmten Orten, so können mehr Menschen am Jahreswechsel teilhaben und es rückt der Gemeinschaftsaspekt des Festes wieder mehr in Vordergrund. So können wir gemeinsam und sicher ins neue Jahr rutschen und uns von einem wunderschönen Feuerwerk bezaubern lassen.