Einer für alle – alle für einen: Geschwisterliebe

Einer für alle – alle für einen: Geschwisterliebe

Geschrieben am 10.04.2018
von Chantal Gilbrich

Streit und Eifersucht gehören selbstverständlich in die Beziehung von Geschwistern dazu. Dennoch sind sie eine der wichtigsten Beziehungen des menschlichen Lebens. Nicht nur als Bluts-, sondern oft auch als Seelenverwandte begleiten sie einen durch dick und dünn.



© flickr.com / ObjektivKraft

Elsa kann nur durch den Kuss wahrer Liebe von ihrem gefrorenen Herzen befreit werden. Wer glaubt, dass der Prinz der Richtige sei, um den Fluch zu brechen, der irrt. Einzig ihre Schwester Anna kann sie mit einem Kuss wahrer Geschwisterliebe retten. Der Disney-Film „Die Eiskönigin“ zeigt das Idealbild einer guten Geschwisterbeziehung.

Geschwister sind in Deutschland „Mangelware“. Am 10. April findet der Internationale Tag der Geschwister statt. Jeder, der mindestens einen Bruder oder eine Schwester hat, kann sich glücklich schätzen. Das ist nämlich mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr: Ein Viertel der Kinder der Bundesrepublik Deutschland hat laut dem Statistischen Bundesamt keine Geschwister. Dabei kann einen wohl niemand besser auf spätere Freundschaften und Beziehungen vorbereiten als der eigenen Bruder oder die eigene Schwester. Mit den Unterschieden des Anderen umgehen, Kompromisse eingehen oder Geduld erlernen, das funktioniert wohl nirgendwo besser als im eigenen Kinderzimmer.

So positiv wie in der „Eiskönigin“ werden Geschwisterverhältnisse aber nicht überall dargestellt. Wirft man einen Blick in die Bibel, so werden Josef und Esau oder Kain und Abel als problematische Geschwisterverhältnisse vorgestellt. Kain tötet Abel aus Eifersucht, weil Gott dessen Opfer vorzieht. Jakob kämpft nicht nur um das Erstgeburtsrecht, sondern auch um den Segen des Vaters. Beides steht eigentlich seinem Bruder Esau zu. Auch in der Welt der Sagen und Mythen gibt es ähnliche Beispiele, so zum beispielsweise Romulus und Remus. Auch hier tötet Romulus seinen Bruder weil sie sich nicht einigen können, wer der Namensgeber der von ihnen neu gegründeten Stadt wird. Oder im Bereich der Märchen, wo beispielsweise Aschenputtel mit ihren bösen Stiefschwestern zu kämpfen hat, die sie als Dienstmagd ausnutzen.

Streit zwischen Geschwistern Streits und Auseinandersetzungen mit den eigenen Geschwistern sind ganz normal. Amerikanischen Wissenschaftlern zufolge sollen 3-jährige bis 7-jährige Geschwister 3,5 Mal pro Stunde streiten. Wenn die Geschwister älter werden und ihre eigenen Freundeskreise aufbauen, nehmen die Konflikte allerdings ab. Zum Teil kann auch Eifersucht Geschwister belasten. So beispielsweise, wenn eines der Kinder den Eindruck hat, dass das Geschwisterchen von den Eltern bevorzugt wird oder Ähnliches.

Geschwister streiten allerdings nicht nur. Sie hegen auch zusammen Streiche aus und gehen durch dick und dünn. So wie zum Beispiel Max und Moritz. Ganz egal, ob sie Onkel Fritz Maikäfer ins Bett setzen oder die Pfeife von Lehrer Lämpel mit Schwarzpulver füllen. Auch Madita und Elisabeth erleben zusammen alle Höhen und Tiefen. Gemeinsam fahren sie über den zugefrorenen See bis nach Apelkullen oder verbringen einen gemeinsamen Ausflug auf dem Dach ihres Elternhauses. Oder die Zwillinge Hanni – mit ihrem wilden, unbefangenen Charakter – und Nanni – mit ihrer ruhigen, vernünftigen Art, die im Mädcheninternat „Lindenhof“ alle Abenteuer zusammen durchstehen.

Geschwister sind ähnlich, aber doch nicht gleich Geschwister weisen in der Regel etwa fünfzig Prozent genetische Ähnlichkeit auf. Nichtsdestotrotz entwickeln viele von ihnen ganz unterschiedliche Talente und Fähigkeiten. Jedes Geschwisterkind bleibt ein Individuum. Keines lässt sich mit dem anderen vergleichen. Auch die Charaktereigenschaften können bei jedem Kind ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. So kann das eine Kind sehr lebhaft, das andere sehr zurückhaltend sein. Insofern gibt es keine Merkmale, die zu hundert Prozent auf alle Geschwister zutreffen.

Außer der Tatsache, dass die meisten Menschen zu niemandem solch eine enge Beziehung haben wie zu den eigenen Geschwistern. Oft ist diese langanhaltender als zu den besten Freunden oder Ehepartnern. Die gesamte Kindheit haben wohl die meisten sehr viel Zeit mit den Brüdern bzw. Schwestern verbracht. Puppen, Spielzeugautos und Bauklötze wurden miteinander geteilt. Das ist oftmals eine bleibende und sehr prägende Erfahrung.

Das Beste, was einem im Leben passieren kann Selbst wenn man im späteren Leben möglicherweise auch viele Kilometer von seinem Bruder oder seiner Schwester getrennt ist, kann man sich sicher sein, dass derjenige immer für einen da ist. Ganz egal, wie oft es zu Streits und Auseinandersetzungen kommen kann, Geschwister sind das Beste, was einem im Leben passieren kann. Wer selber welche hat, kann das wohl nachvollziehen.