Offener Brief: Ich vermisse dich, aber das ändert nichts

Offener Brief: Ich vermisse dich, aber das ändert nichts

Geschrieben am 17.04.2018
von Redaktion

Ein offener Brief an den Mann, der seine Freiheit über mir gewählt hat.



© Pixabay

Lieber XXXXX,

Liebe sollte einfach sein. Beflügeln. Glücklich machen. So war es bei uns nie. Es war eher ein ewiger Kampf. Ich habe immer drauf gehofft, dass du irgendwann mehr zu mir stehen würdest. Zu uns. Zu dem, was wir hatten. Oder zumindest zu dem, was ich mir eingebildet habe, dass wir es haben. Rückblickend haben wir wohl nie wirklich zusammen gepasst. Deine Einstellung zum Thema Beziehung werde ich wohl nie verstehen. Dass wir uns wegen Deines Jobs nur an den Wochenenden gesehen haben, hat mir wehgetan, aber es war nicht zu ändern. Dass du mir selten geschrieben hast, fand ich schade, aber ich habe versucht, es zu akzeptieren. Ich dachte, du seist es wert. Doch ich habe mich getäuscht. Du hast mich einfach nicht verdient.

Verstehe mich nicht falsch. Es war nicht alles schlecht. Wir haben tolle Ausflüge gemacht, wunderschöne Nächte miteinander verbracht und Momente miteinander geteilt, an die ich mich gerne zurückerinnern werde, wenn sie nicht mehr weh tun. Nur werde ich mich auch an all die Sprüche erinnern, mit denen du mich verletzt hast. An all die Tage, an denen ich auf Nachrichten gewartet habe, die erst Tage später kamen und dich keine Minute Zeit gekostet hätten.

Ich liebe dich. Aus ganzem Herzen. Nur hast du mich nicht verdient. Du hast es nicht verdient, dass ich mein Leben um deine Arbeit herum plane. Du hast es nicht verdient, dass ich alles mache, um dich glücklich zu machen, mich ständig zurücknehme, um dich nicht einzuengen und größtenteils unglücklich bin. Ich wollte, dass wir funktionieren und ich habe vieles dafür getan. Wahrscheinlich war genau das der Fehler. Dir viel zu geben und viel zu wenig zu verlangen. Ich hätte viel früher klarstellen müsse, dass mir das, was du mir gibst, nicht reicht. Es war deine Entscheidung, mich zu verlieren.

Zu wissen, dass ich alles für dich getan habe, macht den Gedanken umso schwerer. Umso schlimmer war es, zu begreifen, dass du mich gehen lässt. Oder mich fast mit Absicht dazu zwingst, zu gehen. Dass du fremd gegangen bist, hat es mir nur leichter gemacht, dich gehen zu lassen und mir keine Wahl gelassen. Ich möchte allerdings, dass du dir bewusst machst, dass es in deiner Hand lag, mich zu verlieren. Du hast es vielleicht nicht verdient, aber ich hätte dich nie einfach so verlassen.

Ich habe mir die größte Mühe gegeben, dich zu vergessen. Jeden Tag kämpfe ich mit mir, um dir nicht zu schreiben. Ich habe versucht, mich abzulenken und mich so sehr mit anderen Dingen zu beschäftigen, dass ich gar nicht an dich denken kann. Manchmal funktioniert es gut und an anderen Tagen funktioniert es schlechter. Die Wahrheit aber ist, dass du trotzdem jeden Morgen das Erste bist, an das ich denke und mein letzter Gedanke, bevor ich einschlafe, bist auch du. Ich habe keine andere Wahl, als mich damit abzufinden, dass nur die Zeit diese Wunde heilen wird. Ich werde mein Leben leben. Tag für Tag und jeden Tag wird es etwas weniger wehtun, bis du mir irgendwann gleichgültig bist. Du hast es nicht verdient, dass ich dich hasse.

Meine Freunde fragen mich, warum ich dich nicht hasse. Für dein Verhalten und vor allem, für deine Entscheidung, mit dieser Frau zu schlafen. Doch wie soll ich dich hassen, wenn dich jede Faser meines Körpers vermisst und liebt? Ich will dich gar nicht hassen. Würde ich das tun, würde ich dir noch ein Gefühl entgegen bringen und selbst das hast du nicht verdient. Ich hoffe, dass du mir eines Tages einfach egal bist. Dass ich dich auf der Straße sehe und einfach weitergehen kann, ohne innerlich zu zerbrechen. Dass ich wieder schlafen kann, ohne mir dich mit dieser Frau vorzustellen. Du wusstest genau, wie sehr du mich verletzt.

Nur, weil es im Moment weh tut, heißt es nicht, dass es nicht aufhört. Zum Glück bin ich intelligent genug, um das zu wissen. Zumindest von meinem Verstand her.
Ich warte nicht einmal mehr darauf, dass du begreifst, dass du hättest um mich kämpfen sollen und mich zurück willst. Du hast deine Freiheit über mich gestellt und das muss ich begreifen. Du hast deine Freiheit mir vorgezogen, wenn du mir das Gefühl gegeben hast, dass du fast niemanden von mir erzählst und ich keine große Rolle in deinem Leben spiele. Du hast es in den Momenten getan, in denen du mich mal wieder nicht mit zu Familienessen genommen hast und du hast es mit jedem verletzenden Satz getan, mit dem du dir selbst beweisen wolltest, dass du trotz mir noch ein freier Mann bist und du wusstest genau, was du tust. Du wusstest ganz genau, wie sehr mich dein Verhalten verletzt und trotzdem hast du so gehandelt.

Wenn du ehrlich bist, weißt du, dass ich dich nie eingeengt habe und du ein ziemliches Glück mit mir hattest: Du hattest so viele Freiheiten, dass unsere Freunde nie verstanden haben, wie ich so locker sein kann. Ich habe dir einfach vertraut und du hast alles kaputt gemacht. Du bist der Grund, dass ich nicht mehr vor die Tür will, um dir bloß nicht zu begegnen und du bist der Grund, dass ich nicht schlafen kann. Du bist allerdings auch der Grund, der mir zeigen wird, dass ich viel stärker bin, als ich dachte. Auch wenn ich dich vermisse und aus ganzem Herzen liebe, muss ich ehrlich zu mir sein: Wie zu Beginn geschrieben, war unsere Beziehung nie so, wie sie sein sollte. Ich habe mich immer und immer wieder an die zweite Stelle gesetzt und hätte es nicht tun sollen. Anstatt mich auf mein Leben zu konzentrieren, wollte ich deins erleichtern.

Und anstatt dies wertzuschätzen, hast du deine Freiheit und eine Nacht mit einer Frau, die dir nichts bedeutet, über mich gestellt. Vielleicht brauchtest du das. Vielleicht bist du diesen Schritt unterbewusst gegangen, weil du wusstest, dass ich dann gehe und du dann deine heiß geliebte Freiheit zurück hast. Ich hoffe, diese Freiheit streichelt dich auch die halbe Nacht, wenn du Albträume von deinem stressigen Job hast. Ich hoffe, sie massiert dich, wenn dir dein Körper von dem ganzen Stress weh tut. Am meisten aber hoffe ich, dass sie es wert war, eine Person verletzt zu haben, die dich wirklich liebt.

Ich vermisse dich. Jeden einzelnen Tag. Aber ich vermisse nicht, dass Gefühl, nie zu wissen, wie es weitergeht. Ich vermisse nicht das Gefühl, mich selbst zu vermissen, oder mir anhören zu müssen, dass ich mich viel zu sehr an dich anpasse. Ich vermisse deine Arme, die mich nachts halten, aber ich vermisse nicht den Teil an dir, der mich immer wieder von sich weggestoßen hat, weil dir deine Freiheit wichtiger war als ich.

Ich vermisse dein Lachen und ich vermisse die Momente, in denen du mir auf deine ganz eigene Art doch gezeigt hast, dass ich dir viel bedeute und nicht egal bin. Ich vermisse dich, aber das ändert nichts. Und ich verspreche dir, eines Tages werde ich aus vollem Herzen sagen, dass ich dich nicht mehr vermisse.

In Liebe,
die Frau, die du vermissen wirst, wenn sie plötzlich nicht mehr da ist.