Briefing zum Nahen Osten – Die Straße von Hormus

Briefing zum Nahen Osten – Die Straße von Hormus

Geschrieben am 12.07.2019
von Nicolás Heyden

Derzeit gerät die Straße von Hormus wieder in die Medien. Wenngleich die jüngsten Ereignisse besorgniserregend sind, ist diese Region schon lange ein Pulverfass. Das geopolitische Wettrüsten der Großmächte trägt erheblich zur Eskalationsspirale bei. Ein Überblick zu den Konfliktpotenzialen.



(Foto: zoom.earth. Bei der roten Markierung geschah der Zwischenfall mit dem britischen Tanker, an der grün markierten Stelle fand die beschriebene Sabotage statt. Gelb hinterlegt ist die eigentliche Straße von Hormus.)

Lage

Die Straße von Hormus beschreibt den schmalsten Abschnitt des Seeweges zwischen Iran und der arabischen Halbinsel. Sie liegt zwischen der omanischen Enklave Musandam bzw. den anliegenden Emiraten und Iran. Konflikte finden jedoch auch dem der Passage vorgelagerten Golf von Oman und im Innern des Persischen Golfs statt.

Geschichte

Die Straße von Hormus war bereits vor Jahrhunderten ein strategisch wichtiger Knotenpunkt, an dem sich die Handelswege von Fernost nach Afrika und Europa kreuzten. Hatten noch im Spätmittelalter die Osmanen, Safawiden und Omanis die Seewege um die Straße kontrolliert, bemächtigten sich ab dem 16. Jahrhundert europäische Kolonialmächte der Region. So entbrannten zahlreiche Kämpfe zwischen Portugal und dem Sultanat Oman um die gesamte Passage zum indischen Ozean.

Seit dem 19. Jahrhundert unterhält Großbritannien eine ständige Militärpräsenz in der Region. In der Konsolidierung der modernen Golfmonarchien spielte die Kontrolle der Straße von Hormus bei der mitunter gewaltsamen Landaneignung eine wichtige Rolle.

Ressourcen

Seit den 1970er Jahren wird gezielt nach Erdgasvorkommen an der Straße von Hormus gesucht. Zwischen dem Golfstaat Katar und Iran liegt das weltweit größte South-Pas Gasfeld. Wenngleich der Großteil im Kish-Feld in iranischen Hoheitsgewässern liegt, richten sich die arabischen Golfstaaten auf die Teilhabe an der Ausbeutung durch Konzessionen, Pipelines und Verflüssigungsanlagen ein. Ehrgeizige Projekte sollen in Zukunft den afrikanischen Kontinent und Südasien mit Erdgas aus dieser Region beliefern. Staaten wie Japan und Südkorea sind zudem von der Erdölversorgung durch die Straße von Hormus abhängig.

Militärische Präsenz(en)

Aufgrund der strategischen Rolle der Straße von Hormus werden sicherheitsgefährdende Aspekte mit besonderem Engagement behandelt. Kriegsschiffe der Golfstaaten und des Iran unterbinden selten auftretende Piratenangriffe. Jährlich werden Militärübungen zur See an der Straße von Hormus abgehalten. Der Iran betont, dass es sich hierbei um Übungen zur Seenotrettung handele. Außerdem werden Schmugglerrouten durch gemeinsame Kontrollen mit den Golfstaaten womöglich unterbunden.

Darüber hinaus verfügen die USA und Großbritannien über Militärbasen in Katar, Bahrain und Oman, von wo aus Land-, Luft- und Bodenoperationen im gesamten Nahen Osten koordiniert und durchgeführt werden können. Der jüngste Zwischenfall an der Straße von Hormus fand (beinahe) zwischen zwei iranischen und einem britischen Kriegsschiff statt. Seit einigen Jahren ist auch eine verstärkte Präsenz chinesischer Kriegsschiffe im Golf von Oman festzustellen. Inwieweit die Fertigstellung vier chinesischer Flugzeugträger zur Verlagerung der Machtbalance in der Straße von Hormus beitragen wird, ist noch ungewiss.

Belt and Road Initiative

An besonderer Bedeutung gewinnt die chinesische Belt and Road Initiative. So investiert die Volksrepublik Milliarden in Häfen und Freihandelszonen in Ostafrika und Oman. Neben dem Ausbau großer Freihandelszonen und Tiefseehäfen testet China seine Möglichkeiten zur Verlegung von Militärverbänden nach Ostafrika und an die Arabische Halbinsel aus. Sowohl westliche als auch regionale Staaten sehen den Kontrollgewinn Chinas vor der Straße von Hormus mit Skepsis. Allerdings ist das offensive Investitionsverhalten auch ein großer Anreiz für wirtschaftlich schwache und vom Bedeutungsverlust des Erdöls betroffene Nationen.

Riad versus Teheran

Saudi Arabien und Iran ringen seit Jahren um die Vormachtstellung im Nahen Osten. Beide Staaten zeigen ein aggressives politisches Auftreten gegen kritische Anrainer. Im Schatten dieser Auseinandersetzung können der syrische Bürgerkrieg und die Intervention in Jemen als Stellvertreterkriege zwischen der Golfmonarchie und der islamischen Republik verstanden werden. Die geplante nukleare Aufrüstung beider Staaten wird das Konfliktpotenzial erheblich steigern. Die aus diesem regionalen Machtringen entstandene Eskalationsspirale trug maßgeblich zum verschärften Ton zwischen Iran und den USA bei. Für die Stabilität in und an der Straße von Hormus und insbesondere der kleinen Golfstaaten stellt dieser Konflikt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

Fazit

Die Straße von Hormus stellt eine wichtige militärstrategische und wirtschaftliche Region für politische Akteure aus der ganzen Welt dar. Sie ist eine ressourcenreiche Region und verbindet lebenswichtige Handelsnetze. Hierbei unternehmen mehrere Staaten den Versuch, ihre Kontrolle über die Straße auszubauen und heizen damit den Konflikt an. Aufgrund von Überschneidungen mit bereits bestehenden Machtkämpfen zwischen den Golfmonarchien, Iran und von Außen einwirkende Staaten, birgt die die Region um die Straße von Hormus zurzeit ein großes Konfliktpotenzial.