Beziehungen und das liebe Geld

Beziehungen und das liebe Geld

Geschrieben am 25.07.2019
von Michaela Urschitz

Beim Ausgehen für die Frau oder Freundin mitbezahlen – ist doch selbstverständlich. Wohl kein Mann möchte sich das nehmen lassen. Oder vielleicht doch?! Inwiefern ist diese alte und unausgesprochene Regel auch heute noch aktuell? Was ist in einer Beziehung wichtig, wenn es ums Geld geht?



© f1rstlife / Michaela Urschitz

Diese und viele andere Fragen haben wir uns gestellt – als Paar und Einzelpersonen – und zwar nicht erst nach der Hochzeit, sondern schon lang davor.

Ein Blick zurück in die Teeniezeit

Das Klischee, dass Männer bzw. Jungs für die Mädels zahlen, wenn es um Ausflüge, Abendessen oder den Kinobesuch geht, ist mir schon aus Teeniezeiten bekannt. Doch mal ehrlich: Diese gesellschaftlich geforderte Haltung bringt die wenigsten dazu, dies gerne zu tun, vor allem wenn schon 14-Jährige mit verschränkten Armen darauf pochen, alles, was sie sich beim Shopping in ihre Einkaufstasche stecken, vom Freund bezahlt zu bekommen.

Hat sich eigentlich schon einmal jemand gefragt, wie sich die armen Jungs das alles leisten sollen, die im gleichen Alter selbst über wenig bis gar keinem Geld verfügen? Natürlich ist es romantisch, wenn man seiner Angebeteten ein romantisches Dinner mit quasi nichts bescheren kann, doch war ich selbst damals fest entschlossen, mich von keinem Mann – außer Papa! –, der nicht meiner ist, „aushalten“ zu lassen. Und dieser Begriff, der speziell für das finanzielle Durchtragen verwendet wird, hat noch eine viel größere Bedeutung, wenn es ums Aushalten diverser Launen des Partners geht. Danke Schatz dafür 😊!

Eigene Prinzipien entwickeln

Keiner ist verpflichtet, sich solchen unausgesprochenen Regeln unserer Gesellschaft einfach so hinzugeben, man kann eine Beziehung schließlich selbst gestalten, sich eigene Prinzipien wählen und danach handeln. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass wir in unserer Beziehung bisher beim Thema Geld und bei der Frage „Wer zahlt?“ recht entspannt miteinander umgegangen sind. Mal zahle ich, mal zahlt er. Ich glaube, diese Entspanntheit hat vor allem mit einem Denken zu tun, das uns als Paar als ein „Wir“ sieht. Es ist ja unsere gemeinsame Zeit bzw. unser Abendessen, unser beider Geld. Mit dem Blick in die Zukunft ist es also ziemlich egal, wer heute die Rechnung übernimmt. Man sollte einfach kein großes Ding draus machen.

Auch nach der Hochzeit verfügen wir noch über zwei Konten – aber das hat vor allem mit Bequemlichkeit und nichts mit mangelnder Verbindlichkeit zu tun. Es geht darum, dass man „für den Fall der Fälle“ auch sein eigenes Geld hat. Vertrauen ist dabei ein gutes Stichwort. Das bedeutet für uns auch, dass wir nicht jeden Einkauf mit dem Partner absprechen müssen, sondern lediglich bei größeren Ausgaben. Ich habe in unserem ersten Ehejahr jeden Monat unsere Ausgaben für Wocheneinkäufe etc. aufgeschrieben und dabei festgestellt: Oft haben wir weniger gebraucht, als wir eingeplant hatten. Die praktische Konsequenz: Wir können uns auch mal was gönnen und entspannt einkaufen, indem wir nicht wegen eines Joghurts, der woanders 20 Cent weniger kostet, noch zu einem anderen Laden rennen müssen. Und auf keinen Fall fangen wir an zu rechnen, was es kostet, wenn sich spontan Gäste anmelden und man zusammen isst und trinkt.

„My Lady, darf ich Sie ausführen?“

Wenn uns als Paar unser Geld sowieso zusammen gehört, verlieren Geschenke und Einladungen dann nicht ihren Reiz? Diese Frage habe ich mir schon des Öfteren gestellt und denke mittlerweile: Es kommt immer drauf an, ob man die Geste des anderen wertschätzt – nicht, wie viel etwas gekostet hat. Wenn mich mein Mann zu einem romantischen Abendessen in der Pizzeria einlädt, geht es um das gemeinsame Erleben. Und wenn er mir etwas schenkt, das er von unserem Geld gekauft hat, freue ich mich, dass er mir dies oder jenes gönnt. Wenn ich mich beim Einkaufen einmal zwischen zwei Dingen nicht entscheiden kann und er dann sagt: „Ach Schatz, nimm einfach beide“, dann geht’s nicht um Ungeduld oder dass man verschwenderisch ist, sondern, dass er mir damit sagt: „Du bist mir wichtig und ich rechne nicht jeden Euro auf, den du für dich allein ausgibst. Ich freue mich mit dir – und die Hosen stehen dir einfach beide gut…“

Uns ist aber auch wichtig, diese Art der Großzügigkeit im Umgang mit Geld nicht nur uns gegenseitig zu wahren, sondern auch anderen gegenüber. Ich glaube kaum, dass man sich Sorgen machen oder darüber streiten muss, ob man zu viel Geld an Bedürftige gibt oder spendet, weil es doch letztendlich in den meisten Fällen so aussieht, dass wir aus unserem Überfluss abgeben und nicht am Hungertuch knabbern, wenn wir einander zu mehr Großzügigkeit anspornen. Gerade in diesem Bereich kann ich noch viel von meinem Mann lernen und ich muss sagen: Ich fühle mich dadurch reicher – ich gewinne und verliere nicht!

Ein letzter Ratschlag an alle Paare

Egal, ob verliebt, verlobt oder verheiratet: Streitet euch nicht über Geld! Es lohnt sich nicht, diesem „Meins-deins-Denken“ in eurer wertvollen Beziehung Raum zu geben und zwischen euch stehen zu lassen. Natürlich ist es wichtig, generell einen gesunden Umgang mit Geld zu entwickeln, kluge Entscheidungen zu treffen, andere um Rat zu fragen und zum Beispiel keine Schulden zu machen. Deshalb: Diskutiert gemeinsam die wichtigsten Grundprinzipien aus, vertraut einander, seid großzügig und entspannt euch.