Maltacamp 2019: Hürden der Inklusion überwinden

Maltacamp 2019: Hürden der Inklusion überwinden

Geschrieben am 07.08.2019
von Benedikt Bögle

500 junge Erwachsene mit und ohne Behinderung verbringen gemeinsam Urlaub in Oberbayern. Das Projekt zeigt, wie Inklusion gelingen kann. Ein Vor-Ort-Bericht von Benedikt Bögle.




Alle Fotos: Maltacamp 2019

Miriam aus Liverpool sitzt auf dem Schiff. Sie hat Spaß, ist froh, viele Freunde aus den letzten Jahren wiedergesehen zu haben. Sie kommen aus den verschiedensten Ländern Europas, ja der ganzen Welt. Hinter Miriams Schiff tauchen zwei kleinere Boote auf – eines von der Polizei, eines von der Feuerwehr. Miriam ist gespannt: Was könnte die Polizei von ihrem Schiff wollen? Die junge Frau aus Liverpool in Großbritannien ist eine von 500 Teilnehmern des Malteser Sommerlagers im oberbayerischen Ettal. Am Montag stand auf dem Programm des Ferienlagers ein gemeinsamer Besuch auf Schloss Herrenchiemsee. Bei der Überfahrt auf die Insel wurde das erste Schiff des Camps von der bayerischen Polizei eskortiert.

Maltacamp: 500 Menschen aus 26 Nationen

Das Maltacamp findet jedes Jahr statt. Menschen mit und ohne Behinderung treffen sich zu einer gemeinsamen Woche Urlaub in immer wechselnden Ländern. Gastgeber in diesem Jahr ist Deutschland. 23 Länder sind mit einem eigenen Team angereist, über 26 Nationen sind vertreten. 500 Menschen mit und ohne Behinderung machen Parties und Ausflüge, feiern miteinander Gottesdienst und spielen Kricket – ein solch großes Projekt muss ordentlich vorbereitet sein. Eine Mammutaufgabe, der sich das Team der Ehrenamtlichen über 15 Monate hinweg stellte. Nicht nur Betten, Verpflegung und Transporte musste für die Teilnehmer sichergestellt werden; die Organisatoren mussten natürlich immer auch an barrierefreien Zugang denken.



Herausforderung Barrierefreiheit

Bei vielen Ausflügen und Aktivitäten etwa musste sichergestellt werden, dass sie auch für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. Nur weil Rollstuhlfahrer etwa eine bestimmte Aktion mitmachen können, heißt das noch nicht, dass die Orte auch tatsächlich für einen Rollstuhl zugänglich sind oder es entsprechende Toiletten gibt. Das Camp selbst findet in den Räumlichkeiten von Schule und Internat der Benediktinerabtei Ettal statt – auch hier mussten im Vorfeld immer wieder kleine Stufen und Unebenheiten durch Rollstuhlrampen begradigt werden.

„Es braucht einen Blickwechsel“

So vieles könnten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam machen, nur scheitert es oft schlicht an der Infrastruktur. Das erzählen etwa Thomas Listle und Markus Maier. Bei diesen beiden Kletterern konnten einige Teilnehmer des Maltacamps mutig die ersten Schritte an der Kletterwand üben. Olliver aus Großbritannien etwa ist zum ersten Mal Klettern. Sicher ist er sich aber trotzdem: „Ich komme bis ganz oben.“ Listle und Maier glauben: Klettern, ebenso wie Skifahren und die meisten anderen Sportarten, sind für Menschen mit wie ohne Handicap möglich. Maier sagt: „Wir brauchen einfach einen Blickwechsel.“ Menschen ohne Behinderung müssten sich in die speziellen Herausforderungen etwa für Rollstuhlfahrer hineinversetzen und diese Bedürfnisse bei der Planung von Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch Sportanlagen bedenken.



Begeisterung für das integrative Sommerlager

Trotzdem: Alle Schwierigkeiten werden beim Sommerlager der Malteser überwunden, mit viel Kraft, vor allem aber auch Begeisterung für die Sache. Alle Helfer arbeiten ehrenamtlich und zahlen einen Beitrag für Verpflegung und Unterkunft der Woche. Carl von Wedel ist für die Finanzen des Teams zuständig. Er meint: „Es ist wichtig, dass jeder einen persönlichen Beitrag leistet. Ist uns etwas wert, zahlen wir auch gerne dafür.“ Und den Helfern ist das Maltacamp einiges wert.

Viele von ihnen sind schon zum wiederholten Mal dabei. Aber auch Neulinge sind von Anfang an begeistert. Katharina Thier etwa hat von der Aktion erfahren – und sich direkt als „Staff-Mitglied“ beworben; für die Gruppe der Helfer, die sich um den reibungslosen Ablauf der Woche von der Küche bis zum Bustransport kümmern. „So viele Leute ziehen an einem Strang und gehen mit einer sehr guten Laune an Probleme heran. Das Gemeinschaftsgefühl ist wahnsinnig stark: Alle wollen einfach eine gute Woche haben“, sagt Thier.

Während dieser Woche sind für die Gäste Dinge möglich, die in ihrem Alltag kaum oder überhaupt nicht möglich wären. Viele Helfer schätzen es, sich ganz auf ihren Gast einlassen zu können. Er bestimmt, was er machen möchte, wie lange er in der nächtlichen Disco tanzen und wann er lieber ins Bett gehen möchte. Das alles ist möglich – auch wenn es viel Kraft braucht. Die aber ist auf dem Maltacamp definitiv vorhanden.