Eine zerbrochene Vase: Wenn Loslassen das Beste für eine Beziehung ist

Geschrieben am 31.07.2022
von Maja van Berg

Unsere Beziehungen sind ein wichtiges Puzzleteil eines erfüllten und glücklichen Lebens in allen Lebenslagen. Manchmal sind sie wie eine Achterbahnfahrt, manchmal ganz ruhig und manchmal sind sie zum Scheitern verurteilt. Es kann uns zeitweise schwerfallen, zu erkennen, wann oder warum es der beste Schritt ist, die Beziehung zu beenden. Hier erfährst Du, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Viele Menschen in unserem Leben kommen und gehen, doch es gibt eine Handvoll Menschen, die bleiben. Es gibt auch diejenigen, mit denen wir sehr schnell fühlen, dass wir auf einer Wellenlänge sind und meistens versteht man sich auf Anhieb sehr gut. Gerade wenn eine Freundschaft in einer Beziehung mündet, gibt es einiges, was sich ändert, auch wenn uns das gar nicht so bewusst ist.

Nicht alle Menschen, mit denen wir befreundet sind, können auch beziehungstechnisch zu uns und unserem Leben passen. Meistens ist es jedoch so, dass wir uns einbilden, von einer Freundschaft zur Liebe wären es nur ein Paar wenige Schritte und immerhin kennen und verstehen wir uns ja schon sehr gut, oder?

Foto: f1rstlife / Maja van Berg

Die stabile Beziehung

Einige Beziehungspartner haben beide die nötigen Qualitäten, um eine dauerhafte und glückliche Beziehung aufzubauen. Zwar ist es selten und wertvoll, einen solchen Partner zu finden, heißt aber nicht, dass man sich gemütlich zurücklehnen kann, bis dass der Tod uns scheidet. Auch wenn Beziehungen glücklich und positiv sind, bedeutet es nicht, dass die Partner niemals streiten. Aber sie wissen instinktiv, wie sie mit Streit, Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten umgehen können, denn diese kommen im Laufe des Lebens auf jeden von uns zu.

Ihre Priorität liegt jedoch immer bei der Beziehung und nicht bei persönlichen Egoismen und sie sind bereit dazu Kompromisse zu schließen und den Partner trotz seiner Imperfektionen zu lieben. Es muss nicht immer einfach sein, aber wenn beide sich dafür einsetzen und daran arbeiten, funktioniert es lange und gut.

Die zerbrochene Vase

Manchmal ist es im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich, eine zerbrochene Vase zusammenzukleben. So sehrt wir uns auch darum bemühen; sie wird nie wieder so sein, wie vorher und wenn wir nicht aufpassen, können wir uns an den Scherben verletzen. Sie muss nicht zerbrochen sein, weil etwas einzelnes Einschneidendes passiert ist, dennoch ist jeder kleine Vertrauensbruch und jede Auseinandersetzung, die wir nicht meistern, ein kleiner Sprung im makellosen Glas. Wenn sich im Verlauf des Lebens viele solcher Sprünge ansammeln, wird auch die schönste Vase irgendwann zerbrechen.

Macht es denn dann schon Sinn, sich lieber eine neue Vase zu suchen, anstatt die alten Scherben zu sammeln?

Festhalten und Loslassen

Mit Sicherheit kennst du viele Beziehungen, an denen du erkennst, dass die Partner einander nicht guttun. Es gibt sehr viele unter uns, die an Beziehungen festhalten, die ihnen nicht guttun und die sie schon längst hätten loslassen sollen. Aber trotzdem halten sie mit eisernem Griff daran fest, aus Liebe, aus mangelndem Selbstrespekt oder aus Nostalgie. Damit versperren sie sich den Weg, sich weiterzuentwickeln, loszulassen und sich zu befreien. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber in der Regel mangelt es uns an Grenzen oder an Unabhängigkeit, um loszulassen. Oft geht es jahrelang nach dem Ende weiter, weil wir einfach nicht loslassen können, aber wir wissen mehr, als uns bewusst ist.

Liebe muss keine Beziehung bedeuten

Nur weil zwei Menschen sich lieben, heißt es nicht automatisch, dass sie zusammenpassen und in einer Beziehung sein sollten. Oft ist es sogar so, dass gerade die Menschen die wir lieben (oder glauben zu lieben) für uns nicht gut oder sogar toxisch sind. Grund dafür sind unsere Erlebnisse oder Komplexe aus der Kindheit. Das Schlimmste daran ist es, nicht zu erkennen und nicht zu handeln, es weiterlaufen zu lassen, weil man zu wenig Mut hat.

Die Tücken unserer Muster

Unsere Muster sind im Grunde etwas sehr Gutes, denn sie verleihen uns einen Hauch von Sicherheit in einem sonst von Unsicherheiten geprägten Leben. Sie geben uns Halt und ein Stück Zuhause, wenn es uns nicht gut geht und wenn die Welt über uns zusammenbricht. Aber sie haben leider auch einige Tücken: Wenn wir in unserem Elternhaus (emotionale oder physische) Gewalt erfahren haben, dann signalisiert uns unser Kopf, dass das unser Zuhause ist, wir fühlen uns dann in einer gewalttätigen Beziehung wohl, obwohl sie uns sichtlich nicht guttut. Unsere Muster lassen uns genauso gut in Lebensfallen tappen, die uns Probleme bereiten und sie geben uns auch noch ein gutes Gefühl dabei. Deswegen ist es sehr wichtig, stets zu hinterfragen, was Muster und was unser eigener Wunsch und Wille ist.

Wie können wir loslassen?

Die Voraussetzung dafür, etwas loslassen zu können, ist zu erkennen, dass es nicht gut für uns ist und oder dass wir überhaupt erkennen, warum wir in dieser Beziehung sind. Wenn wir Dinge hinterfragen oder einen objektiven Blick für unsere Beziehung entwickeln, fällt es uns leichter, unsere eigenen Muster zu finden und sie auszumerzen oder zumindest abzuschwächen. Wir können erst richtig loslassen, wenn wir uns mit uns selbst und der Beziehung in ausreichendem Maße auseinandergesetzt haben. Wenn wir sehen, dass es keine Hoffnung mehr gibt und wenn wir sehen, wie sehr wir uns damit schaden.

Alles eine Frage der Entscheidung

Auch wenn wir uns tagtäglich viele Pflichten auferlegen, die wir angeblich zu erfüllen haben, sind es im Grunde doch ziemlich wenige, die tatsächlich das Lable ‚müssen‘ tragen. Wir sagen: ich muss meinen Bus bekommen, ich muss heute zu einer Veranstaltung, ich muss auf andere hören. Im Grunde müssen wir nichts davon wirklich und wir könnten uns davon befreien. Natürlich gibt es auch viele Dinge die wir wirklich müssen, uns um unseren Hund kümmern oder arbeiten gehen, um zu überleben. Aber vieles ist auch einfach an den Haaren herbeigezogen und wir merken es nicht einmal.

Wir könnten uns also bewusst machen, dass wir im Grunde sehr frei sind und in den meisten Fällen eine Entscheidung treffen und mit ihren Konsequenzen leben (müssen). Damit liegt es in unserer Hand, ob wir eine Beziehung eingehen, fortführen oder beenden und das ist eine wichtige Erkenntnis, um sich zu befreien. Wir sind manchmal so sehr gefangen in den Erwartungen anderer, dass wir uns verpflichtet fühlen. Wenn wir uns aber von diesen Pflichten und Erwartungen befreien, steht uns ein Leben offen, dass wir lieben und glücklich führen können.