Ich bin wunderbar unperfekt, weil ich geliebt bin!

Geschrieben am 09.08.2022
von Matthias Chrobok

Der innere Druck steigt meist durch die hohen Erwartungen, die wir an uns selbst haben. Unser Autor Matthias hat in der Gemeinschaft Cenacolo aber gelernt, den Druck loszulassen. Schließlich werden wir, als Kinder Gottes, bedingungslos geliebt.

In zwei Texten habe ich meine Erfahrungen in der Gemeinschaft Cenacolo mit euch geteilt. Einmal im Jahr lädt sie zum „Festa della Vita“, dem Fest des Lebens, ein – in diesem Jahr konnte nach zwei Jahren Corona-Pause wieder richtig gefeiert werden. Mit dabei: Rund 2.000 Menschen im italienischen Saluzzo nahe Turin. Dort wurde die Gemeinschaft vor 39 Jahren geboren und dort steht das Mutterhaus. In vielen Katechesen wurde uns versichert, wie sehr wir von Gott geliebt sind und dass wir uns keinen Druck machen müssen, um für Ihn von Wert zu sein. Aber das ist leichter gesagt als getan.

Gott sagt: Du bist eingeladen! Komm zum Fest!

Im Mittelpunkt des Festes: Gott, Seine Botschaft und Seine Liebe für uns – für jeden Einzelnen. Nicht umsonst stand das Fest des Lebens unter dem Motto „La Festa è per voi“ – „das Fest ist für euch“. Ja, das Thema meines Textes ist allgemein formuliert der Druck, den wir uns selbst oft machen, um uns vor den anderen gut zu präsentieren oder im Beruf voll durchzustarten. Ich möchte den Schwerpunkt daraufsetzen, dass wir uns diesen Druck nicht machen müssen bzw. Gedanken nicht zulassen sollten, nicht genug zu sein.

Franziskanerpater Francesco Piloni OFM aus Assisi spricht über seinen Ordensgründer, den heiligen Franziskus. Foto: Comunità Cenacolo

Meine Freundin und ich haben die fast neunstündige Fahrt auf uns genommen und sind nach Italien gefahren – für mich ein Ausbruch aus einem Alltag, der geprägt war von der Arbeitssuche. Bewerbungen hier, Vorstellungsgespräche dort. Der Druck, schnell eine neue Arbeit finden zu müssen, hat mein Handeln bestimmt und mir auch in gewisser Weise meine Lockerheit genommen. Doch woher kommt dieser Druck? Aus meinem Inneren, denn ich stelle mir viele Fragen, wie ich zum Beispiel meine Miete bezahle und wie ich später ein guter Ehemann und Vater sein kann, auf den sich meine Frau verlassen kann. Soll ich Weiterbildungen machen oder wieder die Hörsaal-Bank drücken?

Der Druck scheint übergroß und genau in diesem Moment kommt Cenacolo und damit ein Innehalten, denn das Fest ist auch für mich. Ich merke: Der Druck, den ich mir selbst mache, wird immer genau dann groß, wenn ich nicht regelmäßig bete. Egal, ob Rosenkranz oder der Besuch der heiligen Messe: Bete ich nicht, kann ich meine Zukunft nicht ganz in die Hände Gottes legen, denn letztendlich hat Er einen Plan für mein Leben und Er kann und wird alles gut machen. Ich spüre Ihn und seine Anwesenheit beim „Festa della Vita“ sehr stark.

Der heilige Franziskus kommt auf den Geschmack Gottes

Franziskanerpater Francesco Piloni OFM hat passend zum Motto über den heiligen Franziskus gesprochen. Franziskus war ein sehr wohlhabender und angesehener junger Mann in Assisi. Doch ihm wird klar, dass die vielen Feste, die er gefeiert hat, einen bitteren Geschmack hatten. Sie haben ihn nicht ausgefüllt und glücklich gemacht. Frage dich ernsthaft: Ist es heute anders? Feiern wir nur, um zu feiern? Unser Heil beginne mit dem Blick Gottes auf uns, führte Pater Piloni aus.

„Du bist ein Eingeladener von Gott selbst. Das Leben als Kind Gottes besteht nicht darin, dass du etwas tun musst, etwas erschaffen musst!“, sagte er. „Du musst einfach offen sein für das ‚Komm!‘ des Herrn. Auch, wenn du voller Ängste und Sorgen bist.“ Im Kopf seien wir oft ganz woanders und wollten unsere Ideen verwirklichen. Kennst du dieses Gefühl? Die Sorgen von Morgen sollten uns nicht davon abhalten, im Heute zu leben, achtsam zu sein und für die Menschen um uns herum da zu sein.

Wir sollten nicht zu sehr auf uns schauen, sondern auf Jesus – auf das Gesicht Gottes. Wir sind alle eingeladen, niemand ist ausgeschlossen. Der Beginn ist immer der Blick Gottes auf uns. Wie es in Psalm 139 heißt: „Es haben mich deine Augen gesehen.“ Padre Piloni fügte hinzu: „Gott hat die Augen sehr weit aufgemacht und dich schon gesehen. Du hattest noch keine Identität und Gott hat bereits auf mich geschaut: Wow!“ Long story short: Wir müssen beginnen, uns so zu sehen, wie Gott uns sieht.

Padre Francesco Peyron: „Als Kind Gottes bist du bedingungslos geliebt!“

Auch die zweite Katechese, die mich sehr berührt hat, möchte ich euch nicht vorenthalten: Padre Francesco Peyron, ein Freund der Gemeinschaft Cenacolo, spricht über die Nachfolge Jesu. Nachfolge heißt, Kind Gottes zu werden und sich als solches immer neu zu begreifen. Bist du ein Kind, kannst du dir sicher sein, zu 100 Prozent geliebt zu werden – bedingungslos und innig . „Gott kennt uns, weil er uns geschaffen hat und liebt“, sagte Padre Francesco. Wir sind von ihm trotz unserer Fehler angenommen, denn Gott weiß, dass wir schwach sind und Ihn brauchen. Hinter schlechten Gedanken stecke das Böse in seiner vollendeten Form. Oftmals gaukelt der Teufel uns vor, dass wir auf dem richtigen Weg seien, ganz nach dem Motto: „Komm und tue alles, was du kannst!“

Und davon gibt es in unserer heutigen Zeit sehr viel: Sport als Ersatzreligion, Klima-Wahnsinn, Pornosucht, Alkohol, und so weiter. Ihr kennt es. Darin stecke eine Blendung, die weit entfernt ist von der Realität. Realität ist, dass wir geliebt sind, egal, ob wir in diesem oder jenem Bereich erfolgreich sind oder auch einmal Schwäche zulassen. Das Böse, so Padre Francesco, wolle uns die Hoffnung und den Frieden rauben. Jesus aber will uns einen Frieden geben, der uns von innen heraus erfüllt, und uns heilen. Durch Ihn gehen wir gelassener durch alle Schwierigkeiten des Alltags. Der Glaube, das muss ich zugeben, ist keine Magie. Amen sei kein Zauberwort und Gott kein Zauberer, der dir alles nimmt, was dich belastet – nein.

“Wenn du jemanden wirklich kennst, dann kennst du auch seine Schwächen und nimmst sie an”, sagte Padre Francesco Peyron den Anwesenden. Foto: Comunità Cenacolo

Gott ist größer – Er schaut auf dich und er trägt dich durch alles Leid hindurch. Jesus, selbst Gott und Mensch, weiß, was Leid und Tod heißen. Warum er das getan hat? Aus Liebe für dich! Ja, man kann diese Liebe naiv nennen und gewissermaßen ist Gott ein „Narr Seiner eigenen Liebe“ geworden (Zitat Pater Hans Buob SAC). Du aber zählst vor Gott alles und jeder Mensch sollte jedem anderen genauso viel wert sein. Denk daran: Du bist wie alle eingeladen zum ewigen Hochzeitsmahl im Himmel. Alles, was es dazu braucht, ist dein „Ja“!

Ein wahrer Freund nimmt dich mit deinen Stärken und Schwächen an

Okay, zugegeben, da war jetzt sehr viel über den Glauben und Gott im Text enthalten. Du kannst es aber auch ganz leicht auf deine Freunde übertragen. Nehmen wir deinen besten Freund oder deine beste Freundin: Ihnen kannst du einfach alles anvertrauen. Mag er dich oder ist er nur dein Freund, weil du richtig coole und großartige Dinge tust? Oder ist er gerne mit dir zusammen, gerade, weil du bist, wie du bist?

Mit all deinen Stärken, aber auch deinen Schwächen? Wahre Freundschaft ist dann wahr und authentisch, wenn wir uns voreinander nicht verstellen müssen. Ein wahrer Freund freut sich mit dir und teilt auch die traurigen Momente mit dir. Ein guter und treuer Freund ist nicht selbstverständlich und solltest du einen solchen Menschen in deinem Leben haben: Rufe ihn jetzt an, verabrede dich und sag ihm oder ihr, wie viel er dir wert ist!