„Woher weiß ich was ich wollen soll?“ – Ab jetzt folge ich mir und meinen Stärken

Geschrieben am 16.09.2022
von Lina Malessa

Wie gut kennst du dich wirklich? Fällt es dir immer leicht, zu dir selbst zu stehen? Und weißt du eigentlich, was dir wichtig ist und kannst dies auch umsetzen? Im letzten Workshop von Lina wurden all diese und viele weitere Fragen beantwortet. Nimm doch auch du dir mal einen Moment Zeit, dich mit dir und deiner Persönlichkeit auseinanderzusetzen.

Foto: f1rstlife / Lina Malessa

„Aus einem Pinguin wird keine Giraffe“

Wir Menschen sind ständig auf der Suche nach Weiterentwicklung und Verbesserung. Aber dürfen wir nicht auch mal das schätzen und nutzen, was wir haben? Doch. Genau darauf lag der Fokus in diesem Workshop. Jeder hat Stärken, jeder hat Schwächen. Sich selbst gut zu kennen ist eine wichtige Voraussetzung dafür zu wissen was wir wollen und unseren persönlich richtigen Weg zu finden. Eckart von Hirschhausen sagte mal „Wenn du ein Pinguin bist, machen auch sieben Jahre in der Wüste aus dir keine Giraffe“. Und da ist was dran. Ein Pinguin funktioniert im Wasser – seinem richtigen Umfeld – hervorragend, in der Wüste dahingegen weniger. Und so ähnlich ist es auch mit uns Menschen. Wir passen mit unserer Persönlichkeit in ein bestimmtes Umfeld mehr, in ein anderes weniger. Anstatt uns stetig verändern zu wollen, sollten wir daher auch mal auf uns selbst schauen und unseren persönlich richtigen Weg finden. 

Schreibe innerhalb von 3 Minuten all deine Stärken und Schwächen auf, die dir spontan einfallen. Überlege dann: Wo nutzt du deine Stärken, wo kommen sie dir zugute? Was für eine potenzielle Stärke könnte sich auch hinter deinen Schwächen verstecken?

Was treibt mich an?

Jeder von uns hat innere Antreiber, ein „Warum“ hinter dem, was wir tun. Unser „Warum“ ist uns nicht immer bewusst. Denn natürlich denken wir nicht in jeder Situation darüber nach, warum wir etwas tun oder nicht tun. Dennoch kann es hilfreich sein, das eigene „Warum“ mal zu hinterfragen. Denn hinter unserem Handeln verstecken sich Motive und Werte, die uns Kraft geben und antreiben. Sie beeinflussen, wie wir auf Situationen reagieren, was uns gefällt und was nicht, was uns wichtig ist im Leben und welche Ziele wir uns setzen. Wenn wir nach unseren Werten leben und handeln fällt uns vieles leichter und macht uns langfristig glücklicher. 

Motive und Werte können so etwas sein wie das Streben nach Erfolg, Wissenserwerb und Sicherheit. Aber auch der Wunsch nach Freiheit, Spontaneität und Abenteuern kann uns antreiben. Oder aber das Bedürfnis nach Geborgenheit und Miteinander. Sehnen wir uns zum Beispiel nach Freiheit und Abenteuern, so wird es uns schwer fallen uns in starren, fest vorgegebenen Strukturen zu bewegen. Eine andere Person aber würde genau diese Strukturen vielleicht brauchen, um ihr Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen. Unsere Motive beeinflussen also, wie wir Situationen bewerten und womit wir uns wohlfühlen.

Um mehr über deine Werte herauszufinden überleg dir doch einmal, welche drei Situationen zuletzt ein gutes Gefühl in dir ausgelöst haben. Wenn du dir diese Situationen mal genauer anschaust kannst du vielleicht entdecken, welche Werte bzw. Bedürfnisse von dir sich dahinter verstecken. Denke auch an eine Situation, in der du dich geärgert oder unwohl gefühlt hast. Hier wurde möglicherweise einer deiner Werte verletzt.

Wie finde ich meine Balance zwischen anpassen und „Ich sein“?

Wir haben heutzutage viele Freiheiten. Wir können wählen welchen beruflichen Weg wir einschlagen, wo wir leben möchten, ob wir Familie wollen oder nicht. Und doch gibt es inmitten dieser Freiheiten einen gewissen Druck. Diesen Druck erleben wir zum Einen durch unser Umfeld. Zum Anderen machen wir ihn uns selber. Immer mal wieder hören wir Sätze wie „Warum machst du nicht..?“. Und sicherlich hast auch du schonmal etwas gedacht wie „Was denken die anderen, wenn…?“. Inmitten aller Freiheiten ist es daher gar nicht so einfach, Entscheidungen zu treffen. Und es ist auch nicht so einfach, immer dazu zu stehen, was man wirklich will – oder das überhaupt zu wissen. 

Deine Selbstkenntnis und Selbstwertschätzung ist die Basis dafür, zu wissen was dir wichtig ist und auch danach zu leben. Du bist ein wertvoller Mensch mit Wünschen und Bedürfnissen und du darfst dein Leben danach gestalten. Wir können von anderen Menschen durchaus interessante Anreize bekommen. Und natürlich gehen wir auch gerne mal Kompromisse ein. Manchmal üben die Einflüsse von außen aber auch Druck aus und hemmen uns dabei, das zu leben, was wir wirklich wollen. Gerade haben wir aber schon gelernt, das genau das wichtig ist – zu nutzen was du hast und das Umfeld zu finden, das zu dir passt. Es gibt so viele verschiedene Persönlichkeiten, und die brauchen wir auch.

Wie viel Anpassung das richtige Maß ist, kannst nur du für dich persönlich herausfinden. Denn am Ende bist du diejenige, die mit deinen Entscheidungen leben und deinem Weg zufrieden sein muss. Ständiges Anpassen macht unglücklich. Und allen recht machen können wir es so oder so nicht. Wenn wir danach gehen, was uns wichtig ist und wo unsere Stärken liegen, dann können wir langfristig glücklicher sein. Und wenn wir selbst zufriedener sind, können wir auch mit unserem Umfeld liebevoller umgehen.

Überleg doch mal: Hast du das Gefühl, oft danach zu gehen, was andere möchten oder von dir erwarten? Sagst du auch mal nein und setzt Grenzen? Falls ja, wie leicht fällt dir das? Wo und wann könntest du vielleicht noch mehr Grenzen setzen? Und was würdest du tun, wenn es kein „Willst du wirklich…?“ von außen oder innen gäbe?

Was hat mein Job mit meiner Persönlichkeit zu tun?

Auch im Job sollten wir unsere Charaktereigenschaften nicht außer Acht lassen. Häufig bringen unsere Qualifikationen uns zu einem Job. Aber was hält uns langfristig bei einem Job? Tatsächlich eher unsere Persönlichkeit als unsere fachlichen Fähigkeiten. Denn wir verbringen so einige Stunden bei der Arbeit. Wenn wir in einem Umfeld arbeiten, das nicht zu unserer Persönlichkeit und unseren Werten passt, dann ist es unwahrscheinlich, dass wir uns dort langfristig wohlfühlen. So wird es dir zum Beispiel schwer fallen, in einem Unternehmen mit starren Strukturen und festen Vorgaben viel Zeit alleine vor dem PC zu verbringen, wenn dir Kreativität, Einfluss und Teamgeist wichtig sind.

Schau doch mal darauf, wie deine aktuelle Berufssituation zu deiner Persönlichkeit passt. Auch innerhalb eines Berufsfeldes gibt es häufig unterschiedliche Umgebungen & Gegebenheiten, die mehr oder weniger zu dir passen. Arbeitest du lieber im Team oder alleine? Brauchst du eher Sicherheit und Struktur oder Freiraum und Kreativität? Oder vielleicht eine bunte Mischung?

Wie hilft mir eine gute Selbstkenntnis beim Treffen von Entscheidungen?

Täglich stehen wir vor Entscheidungen, kleineren und größeren. Manche fallen uns leichter, manche weniger. Auch hier spielt unsere Selbstkenntnis eine wichtige Rolle. Wenn wir uns selber gut kennen und unsere Bedürfnisse verstehen, dann fällt es uns oft auch leichter Entscheidungen zu treffen. Um nach dem „Bauchgefühl“ zu gehen, muss man seine Gefühle und Signale schließlich erstmal einordnen können. 

Entscheidungen nach dem persönlichen Gefühl zu treffen hilft außerdem auch dabei, eine Entscheidung nicht im Nachhinein zu bereuen. Meistens bereuen wir nämlich eher die Entscheidungen, die wir getroffen haben weil dir dachten, wir müssten so handeln. 

Hier also ein paar Tipps für bessere Entscheidungen ohne Bereuen:

  • Frage dich: Was ist mir persönlich wirklich wichtig und warum?
  • Stelle deine Optionen ggf. visuell gegenüber, sammle Pro und Kontra Aspekte und gewichte diese.
  • Beachte auch kurz- und langfristige Auswirkungen deiner Entscheidung.
  • Versuche dir vorzustellen, dich für eine Option entschieden zu haben und spüre in dich hinein, wie sich das anfühlt. Womit fühlst du dich in diesem Moment besser?
  • Und vor allem: Triff eine aktive Entscheidung! Eine Entscheidung ist immer besser als keine Entscheidung und ein möglichst langes vor sich her schieben. Denn auch das können wir bereuen.

Bin ich immer die gleiche Person?

Auf einer Skala von 0 bis 10 – was würdest du sagen?: Wie sehr hast du dich in den letzten 5 Jahren verändert? Wie sehr wirst du dich in den nächsten Jahren verändern?

Viele von uns denken, dass sie sich in den letzten Jahren mehr verändert haben als sie es in den nächsten tun werden. Und das, egal in welchem Alter wir sind. Hier und heute sind wir meist überzeugt davon, so zu bleiben wie wir jetzt sind. Und doch verändern wir uns weiter. Denn im Leben sammeln wir immer wieder neue Eindrücke, machen neue Erfahrungen und erwerben neues Wissen. Wir ändern unsere Meinung zu bestimmten Dingen, uns werden Dinge wichtig, die es vorher nicht waren, Prioritäten verschieben sich. Dabei bleibt ein Grundbaustein unserer Persönlichkeit natürlich stets erhalten. 

Charakterstärke muss also nicht heißen, immer exakt die gleiche Person zu sein. Stehe zu dir und der Person der du bist. Erlaube dir aber auch Impulse für Weiterentwicklung aufzunehmen. Wenn dein Standpunkt zu einer Sache sich ändert, darfst du dies durchaus annehmen und dich in Zukunft auch anders verhalten als du es zuvor getan hast. Wichtig ist, dass du im Hier & Jetzt im Einklang mit dir selbst bist und hinter dem stehst, was du tust.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg mit dir selbst!:)