Die Weihnachtsgeschichte in der Corona-Edition

Geschrieben am 23.12.2021
von Hannes Rolfs

Erneut steht ein Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen vor der Tür. Wissen wir eigentlich noch, wie Weihnachten ohne das Virus ausschaut? Damit uns die Weihnachtsgeschichte nicht zu fremd erscheint, hat unser Autor Hannes Rolfs sie in pandemische Zeiten verlegt.

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Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geimpft würde. Und diese Impfpflicht war die allgemeine und geschah zu der Zeit, da das Infektionsgeschehen nicht mehr beherrschbar ward. Und jedermann ging, dass er sich impfen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf zur Impfung Joseph aus Galiläa in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger.

Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie begaben sich zu einer Herberge. Und wie sie dort ankamen, hieß es: „Ja, moin, dürfte ich einmal ihren 2G-Nachweis sehen? Die vom Ordnungsamt kontrollieren in letzter Zeit wieder… Das Jahr 1 vor Christus ist auch wieder ein komplettes Pandemiejahr gewesen, was?“ Darauf Joseph: “Hä, wer ist Christus?” Der Herbergsvater: “Weiß ich doch nicht. Man sagt das halt so.” Das Paar aber besaß keinen vollständigen Impfschutz und ward auch von der Krankheit verschont geblieben. Und da für sie also kein Platz in der Herberge ward, suchten sie ihr Nachtlager in einem Stalle. Daselbst wimmelte es von Vieh. Katzen schliefen im Stroh. Ochs‘ und Esel fraßen Heu und die Gänse fragten sich, ob es ein Leben nach Weihnachten gäbe. Und Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.

Die Hirten missachten die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: „Euch wurde heute Nacht der Heiland in Bethlehem geboren… Ey, ist das wohl überhaupt ‘n Meter? Rückt mir nicht so auf die Pelle. Wir haben immer noch eine Pandemie… Also, das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: „Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“ So viel also zu: nicht reisen und Kontakte reduzieren…

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Und augenzwinkernd bat Joseph sie, zu bleiben: „Sind ja im Prinzip zwei Haushalte. Ich habe auch heute Morgen noch einen Selbsttest gemacht. Wollt ihr ‘nen Glühwein?“ Und die Hirten wunderten sich der Rede, aber nahmen den Wein dankend an, während Joseph seinen ersten dad joke als frischgebackener Papa dropte: „Aber aufpassen, ist heiß! Sonst gibt’s gebrannte Mandeln“. Und weil ihnen das Ganze alsbald doch zu heikel wurde, machten sich die Hirten auf den Heimweg. Und sie priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Der Engel hatte nicht zu viel versprochen!

Die Weisen aus dem Morgenland agieren als mobiles Impfteam

Als nun Jesus geboren ward in Bethlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem. Diese sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten!“ Als das der König Herodes hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm. Und er sprach: „Das hat uns gerade noch gefehlt. Jetzt pilgert bald das halbe Land nach Bethlehem und heizt das Infektionsgeschehen nochmal mächtig an. Und dann crasht nachher Omikron in die laufende Welle. Aber als Präventionsmaßnahme das Kind um die Ecke bringen? Bisschen krass… Andererseits: Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.“

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit, wann der Stern erschienen ward; und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: „Zieht hin und forscht genau nach dem Kind. Und wenn ihr es gefunden habt, so lasst es mich wissen, damit auch ich komme und es anbete!“ Wer’s glaubt… Und als sie den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort stillstand, wo das Kind ward. Als sie nun den Stern sahen, wurden sie sehr hocherfreut; und sie gingen in den Stall hinein und fanden das Kind samt Maria und Joseph. Joseph sprach: „Na, ist denn schon wieder Weihnachten? Noch mehr Besuch? Wenn das so weitergeht, erstelle ich noch ‘ne Veranstaltung in der Luca-App.“

Und nun stelle man sich folgende Szene vor: Drei fremde Männer im fortgeschrittenen Alter kommen in dein Haus, fallen nieder und beten dein Kind an. Da fragt man sich als Eltern auch, wo die versteckte Kamera ist. Aber fairerweise muss man natürlich sagen: Es handelt sich nicht bloß um irgendein Kind!

Und die Weisen öffneten einen Koffer und sprachen: „Wir bringen drei Dinge dem neugeborenen König. Das ist einmal ein Kombinationsimpfstoff Masern, Mumps, Röteln, dann einer gegen Polio und wenn wir dürfen, spritzen wir dem Lütten auch noch eine Vierteldosis Biontech. Alternativ könnt ihr als Drittes auch Myrrhe haben. Weiß aber keiner so genau, was das ist…“ Und da Maria und Joseph sich nicht mit Querdenkern in einer Reihe genannt wissen wollten, willigten sie ein. Und die Weisen beschlossen, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, da sie im Traum dazu angewiesen wurden, auf einem anderen Weg zurück in ihr Land zu ziehen. In diesem Sinne: infektionsfreie und fröhliche Weihnachten!