Von Juristin zur Bibelwissenschaftlerin: Was ist passiert? – Teil 7

Geschrieben am 13.12.2021
von Yvonne Dömling

Als Nina-Sophie Heereman ihre wahre Berufung erkannte, startete sie einen kompletten Neuanfang. Dazu gehörte nicht nur ein neues Studium oder eine Reise nach Rom, sondern vor allem ein sehr viel glücklicheres Leben – mit Gott.

© Privat

Dr. Nina-Sophie Heereman wurde am 20. Juni 1972 als Nina-Sophie Freiin Heereman von Zuydtwyck in Bonn geboren. Zurzeit wohnt und lehrt sie in Menlo Park an der St. Patrick’s Seminary & University der Diözese San Francisco als Dozentin für „Heilige Schrift“.

Ihr Leben hat sie ganz und gar der Verbreitung des Evangeliums geweiht. Außerdem dreht sie regelmäßig Videos zu aktuellen und interessanten Glaubensthemen für ihren YouTube Kanal „Mini Kat“.

In dieser achtteiligen Artikelreihe erzählt Dr. Heereman in einem Gespräch, welches am 26.06.2021 in Medjugorje geführt wurde, warum sie Bibelwissenschaftlerin geworden ist und welche Ereignisse in ihrem Leben dazu geführt haben.

Not der Kirche

Als Not der Zeit, erkannte ich, ist, dass niemand mehr den lebendigen Glauben kennt. Ich war 27 Jahre lang jeden Sonntag zur Messe gegangen. Die Sonntage, die ich ausgelassen habe, könnte ich an einer Hand abzählen. Ich hatte aber nie die Liebe Gottes erfahren und nie wirklich das Wort Gottes vernommen.

Ich fragte mich: „Was stimmt mit unserer Kirche nicht, dass das Wort Gottes nicht mehr richtig verkündet wird?“ Dahinter steckt nämlich so eine große Macht, die Liebe Gottes lebendig zu machen und Jesus als den Auferstandenen zu erfahren. Eine Not der Kirche ist also, dass das Wort Gottes nicht mehr richtig verkündet wird.

Klarheit über meine Berufung

Ich war bereit, ganz den Willen Gottes zu erfüllen und wollte nicht mehr allein mein eigenes Leben designen. Jesus hat mich schließlich zu Pater Hans Buob geführt. Zusammen mit zwei anderen Frauen, die auch glaubten, eine Berufung zum gottgeweihten Leben zu haben, gab er uns neun Monate lang eine Grundausbildung im geistlichen Leben.

Die zwei Anderen erkannten schließlich, dass sie doch zur Ehe berufen sind. Für mich aber verstärkte sich das Gefühl, dass ich zur Ehelosigkeit gerufen bin. Mit Hilfe von Pater Buob konnte ich aber erkennen, dass Jesus keine Klosterberufung für mich hat, sondern mich ruft, als Laie in der Welt zu leben.

Ein Neuanfang

Pater Buob ermöglichte mir, obwohl ich mittlerweile schon 30 Jahre alt war, nochmal ganz von vorne zu beginnen und Theologie zu studieren. Das war für mich wie ein Sechser im Lotto. Ich durfte die ganze Zeit, die ich in der Disko verschwendet und im Jura-Studium teilweise nur nachlässig genutzt hatte, irgendwie nachholen und nochmal neu beginnen. So ist Gott: Er lässt uns wieder neu anfangen. Ich fühlte mich wieder wie eine Neunzehnjährige, die glücklich auf der Bank saß und Philosophie studieren durfte.

Nach zwei Jahren hatte ich die Möglichkeit, nach Rom zu gehen. Ich verbrachte insgesamt fünfeinhalb Jahre in Rom. Als ich die Klarheit über meine Berufung hatte, sagten mir viele: „Mädel, du musst doch mal Geld verdienen! Wovon willst du denn leben?“ Nun, im Evangelium steht: „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt!“ (Mt 6,25) „Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,32-33) Wenn Jesus mich also ruft, dann wird er sich auch um alles kümmern, was ich brauche.

Das Leben mit Gott

Ich habe mittlerweile 20 Jahre lang von der Vorsehung Gottes gelebt und zwar viel besser als ich je als Jurastudentin lebte. In Rom hatte ich eine Wohnung an der Piazza di Spagna und schlenderte jeden Tag am Trevi Brunnen vorbei. Ich kam mir vor wie Alice im Wunderland. Auch konnte ich es nicht fassen, dass ich an der Gregoriana studieren durfte. Ich durfte Italienisch und später noch Französisch lernen. Auch hatte ich nun Freunde aus der ganzen Welt.

Ja, es gab eine kurze Zeitspanne zwischen Ägypten und dem gelobten Land, in der die Wüste etwas trocken war und ich wenige Freunde hatte. Aber jetzt ist es so wie C.S. Lewis einmal sagte: „Gott hat mir Freunde geschenkt, derer ich nicht würdig bin.“

Berufung ist ungefähr so, wie wenn man auf einem zehn Meter hohen Springturm steht und Gott sagt: „Spring´, ich verspreche dir, dass da Wasser drinnen ist.“ Anfangs hat man zwar Angst, aber, wenn man sich traut und springt, merkt man, dass nicht Wasser, sondern Champagner im Becken ist.

Weiterer Weg

Während ich mein Studium an der Gregoriana genoss, wurde ich von den Jesuiten gefragt, ob ich bereit wäre eine Promotion zu machen? Denn sie könnten sich gut vorstellen, dass ich später bei ihnen unterrichten könnte. Pater Buob bestärkte mich darin, indem er zu mir sagte: „Mädel, wenn Gott dich in die Priesterausbildung ruft und er möchte, dass du der Universalkirche dienst, dann zögere nicht.“ Er lehrte mich auch, dass Gott am sichersten durch die äußeren Umstände und Angebote führt. Die Dominikaner boten mir dann ein Stipendium an, welches mir eine Promotion in Jerusalem ermöglichte. So zog ich schließlich nach Jerusalem.